My Bloody Valentine (Blutiger Valentinstag)

CDN 1981, 93 Min., dF, digital, R.: George Mihalka, D.: Paul Kelman, Lori Hallier, Neil Affleck, Keith Knight, Alf Humphreys

Auf dem Höhepunkt der von „Halloween“ (1978) losgetretenen Slasherfilm-Welle kam 1981 ein kanadischer Vertreter des Genres in die Lichtspielhäuser, der nach „Halloween“, „Muttertag“ und „Freitag der 13.“ einen neuen Termin blutrot im Kalender markierte: „My Bloody Valentine“ widmet sich einer brutalen Mordserie am Valentinstag, der nach und nach die (meist jungen) Bewohner einer kleinen Minenstadt zum Opfer fallen. Die labyrinthisch verzweigten Schächte der Kohlemine werden von der Kleinstadtjugend zum Austragungsort ihrer Valentinsparty auserkoren – mit blutigen Konsequenzen, denn auch der Killer streift durch die dunklen Gewölbe. Statt Schoko-Herzen verschenkt der unheimliche Mörder echte Menschenherzen zum Valentinstag …

George Mihalkas handwerklich versiert gemachter Film vereint alle bekannten Ingredienzien des Genres (ein tragisches Ereignis in der Vergangenheit, das den Killer zu seinen Taten motiviert; einen abgelegenen Ort, an dem keine schnelle Rettung zu erwarten ist; die Vermummung des Täters, hier mit Bergbauhelm und Gasmaske) und führt mit der Spitzhacke ein neues, zu ungeheuerlichen Gewaltspitzen einladendes Mordwerkzeug ein. Wir präsentieren den in Deutschland noch nicht veröffentlichten, völlig ungeschnittenen Directorʼs Cut, der selbst in den USA lange Zeit nicht verfügbar war!

 

Filme

Lowlife Love

OT: Gesu no ai, J 2015, 110 Min., OmdU, digital, R.: Eiji Uchida, D.: Kiyohiko Shibukawa, Masahiko Aoki, Masato Arai, Matsumoto Club, Denden

Das Filmbiz ist gnadenlos: Nachdem der schmierige Regisseur Tetsuo vor einigen Jahren einen kleinen Indie-Hit landen konnte, will ihm einfach nichts mehr gelingen. So fristet er sein tristes Dasein mit Ende 30 im „Hotel Mama“ und schmarotzt sich antriebslos durchs Leben. Wenn er mit seinem Kumpel Mamoru nicht gerade Pornofilme für dubiose Gestalten dreht, beutet er Nachwuchs-Schauspielerinnen in seiner Fake-Schauspielschule aus – nicht nur finanziell. Das Zeug zum Star hat freilich keines der naiven Mädchen. Bis eines Tages die hübsche Minami und der begnadete Drehbuchautor Ken in Tetsuos Büro stolpern. Nun wittert Tetsuo seine große Chance ...

Filmemacher Eiji Uchida („The Last Days of the World“) liefert mit „Lowlife Love“ eine bissige, herausragend besetzte Satire ab. Mit bitterbösem schwarzen Humor enttarnt er darin das Filmbusiness als, wir ahnten es, menschenverachtende Konkurrenzmaschinerie. Folgerichtig titelte die Berliner taz in ihrer Filmbesprechung: „Das Kino ist ein Miststück“. Explizit ausgenommen ist davon natürlich euer herzallerliebstes KommKino, Quell ewiger Freude, Oase menschlicher Wärme.

 

Filme

Continuity

D 2016, 85 Min., dt. OV., digital, R.: Omer Fast, D.: Constantin von Jascheroff, André Hennicke, Bruno Alexander, Iris Böhm, Niklas Kohrt

„Continuity“ beginnt als herkömmliche, lineare Geschichte über eine emotionale Rückkehr in die Heimat. Schnell jedoch kippt die Stimmung ins Unheimliche: In einer kleinen Stadt in Deutschland lädt ein verheiratetes Paar mittleren Alters wiederholt junge Männer in ihr Haus ein, um ein undurchschaubares Ritual durchzuführen. Es bleibt unklar, ob die Eheleute einen tatsächlichen Verlust erlitten haben – vielleicht sollen ihre Besucher, die Ersatz-Söhne, ihnen schlicht helfen, eine drohende Trennung abzuwenden. Drei verschiedene Versionen ihres verlorenen Sohns Daniel verbringen die Nacht im Einfamilienhaus. Jeder von ihnen verschwindet auf mysteriöse Weise. Bis wir sie am Ende wiedersehen, in einer Grube, weder tot noch lebendig, weder in Deutschland noch in Afghanistan.

Wer mit den surrealen, psychologischen Werken eines David Lynch etwas anfangen kann, der ist bei „Continuity“ gut aufgehoben. [...] Artifizielle Mischung aus Psycho-Thriller, Mystery, Surrealem und Drama. Der Film macht auf eindrucksvolle Art und Weise klar, was im deutschen Kunst- und Experimentalkino alles möglich ist.“ (Spielfilm.de, 14.11.2016, Björn Schneider)

 

Eve and the Handyman

USA 1961, 65 Min., OV, digital, R.: Russ Meyer, D.: Eve Meyer, Anthony-James Ryan, Frank Bolger, Joseph Carroll, Rita Day

In einem Trenchcoat und mit Mütze und rotem Schal bewaffnet, beschattet Eve einen Tag lang einen attraktiven Handwerker, während er seine Arbeit verrichtet, Eve aber nicht zu bemerken scheint. Doch schließlich naht der Abend, an dem sie ihren Mantel vor ihm in Exhibitionistenmanier öffnet. Wird sie ihre Waren, die sich darin verstecken, an den Mann bringen können?

„Eve and the Handyman“, an dem gerade einmal 4 Personen an den Dreharbeiten beteiligt waren, ist der zweite von sechs humorvollen Sexploitation-Klassikern, die Russ Meyer zu Beginn seiner Karriere drehte. Dieser Film ist dabei der interessanteste, da es in ihm vor interessanten surrealistischen Einfällen und psychoanalytischen Doppeldeutigkeiten nur so wimmelt. Taucht auch Ihr ein in eine Welt der Bürstenverkäuferinnen, der in Gang gebrachten Wasserkessel, Ölpumpen und Kupplungen und lasst eure Raketen starten!

 

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Filme

Lorna

USA 1964, 80 Min., OV, digital, R.: Russ Meyer, D.: Lorna Maitland, Mark Bradley, James Rucker, Hal Hopper, Doc Scortt

In den Augen eines jeden Mannes entfacht Lorna, die Frau mit der 110 cm Oberweite, ein Feuer. Nur mit ihrem impotenten Mann klappt es im Bett nicht so ganz. Da trifft sie auf einen flüchtigen Strafgefangenen, der sie beobachtet, wie sie nackt in einem See badet und sie sich gewaltsam nimmt. Doch auch Lorna bereitet die Vergewaltigung Lust und sie lädt ihn zu sich nach Hause ein. Konflikte in dem streng religiösen Haus sind vorprogrammiert …

„Lorna“ war der erste dramatische Naked-Lady-Film. Die Filme, die Nacktheit zeigten, waren zuvor eher eine heitere Spielerei, als wirkliches Drama. Meyer erfand  mit „Lorna“ einen Film mit der Formel, die ihn reich machte: Filme mit Menschen auf dem Gipfel des Hasses, dem Gipfel der Lust, dem Gipfel der Gewalt.“ (William Rotsler, Filmregisseur). Mit „Lorna“ erfand Russ Meyer zwar nicht das Genre der stark sexualisierten Roughies, das war Hershell Gordon Lewis mit „Scum of the Earth“ (1963), brachte es aber zu großem kommerziellen und künstlerischen Erfolg, der in „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ gipfelte. Genießt auch ihr „Lorna“, Russ Meyers erstes moralisches Schauspiel, wie er seine Roughies nannte, in welchen jeder für seine schlechten Taten büßen muss!

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Filme

Mudhoney

USA 1965, 91 Min., dF, 35mm, R.: Russ Meyer, D.: Hal Hopper, Antoinette Cristiani, John Furlong, Rena Horten, Lorna Maitland

„Ein ehemaliger Sträfling findet bei seiner Wanderschaft durch den amerikanischen Westen Arbeit auf einer abgelegenen Farm, die von einem despotischen Säufer tyrannisiert wird. Ein Verhältnis mit der Hausherrin führt zur Katastrophe; die Affäre endet mit Lustmord, Vergewaltigung, geistiger Umnachtung und Lynchjustiz.“ (Lexikon des internationalen Films)

Zur Erstaufführungszeit wurde „Mudhoney“ als einer jener zahllosen wüsten Billigfilmchen eingestuft, die Erotik und Gewalt im damals gerade noch zulässigen Rahmen zeigten. Heute gilt er vielfach als bester und künstlerisch ambitioniertester Film von Russ Meyer. Dramaturgisch sehr komplex und für Meyer-Verhältnisse recht dialoglastig wandelt sich der amerikanische Traum hier mit selten gesehener Konsequenz zum bösen Alptraum. Auch formalästhetisch war „Mudhoney“ seiner Zeit weit voraus. Unbedingt sehenswert!

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Invasion of the Bee Girls

USA 1973, 85 Min., OV, digital, R.: Denis Sanders, D.: William Smith, Anitra Ford, Victoria Vetri, Cliff Osmond, Wright King

Mysteriöse Todesfälle häufen sich in der amerikanischen Kleinstadt Peckham. Ausschließliche gesunde junge Männer erleiden beim Sex einen Herzinfarkt. Da es sich bei zwei der Opfer um Mitarbeiter eines staatlichen Versuchslabors handelt, wird ein Agent vom Pentagon in die kleine Stadt im sonnigen Kalifornien geschickt. Doch wird es ihm gelingen, das bizarre Geheimnis, das die Toten mit ins Grab nehmen, zu lüften? Und wird er herausfinden, welch groteskes Ritual gewöhnliche Hausfrauen in bildhübsche Bräute verwandelt und ihren verborgenen Appetit weckt?

Erlebt einen fulminanten Insektenschocker. Sicher nichts für jene schwachen Gemüter ist, die beim Anblick unserer schwarzgelben Freunde schreiend davon laufen und sich im Sommer gar nicht erst aus dem Haus trauen. Ein herrlich absurdes und schwer unterhaltsames Werk, bizarrerweise inszeniert von Denis Sanders, einem zweifachen Oscar-Gewinner.

 

Faster, Pussycat! Kill! Kill!

USA 1965, 82 Min., dF, 35mm, R.: Russ Meyer, D.: Tura Satana, Haji, Lori Williams, Sue Bernard, Stuart Lancaster

„Varla, Rosie und Billie haben ihren Job satt. Sie setzen sich ins Auto und flitzen los. Unterwegs legt sich ein junger Mann mit Varla an. Das bekommt ihm schlecht: Das Teufelsweib bricht ihm das Genick. An einer Tankstelle erfahren sie von einer Ranch, Männern und viel Geld. Darauf haben sie es abgesehen.“ (www.ofdb.de)

„Faster, Pussycat! Kill! Kill!” gilt als einer der größten Klassiker von Kultregisseur Russ Meyer. Die verstorbene Hauptdarstellerin Tura Satana wurde durch den Film zur Ikone und zum Inbegriff sinnlich weiblicher Dominanz. Nachhaltig inspirierte sie das Image vieler späterer weiblicher Stars von Madonna bis zu den Spice Girls. Wie so viele Kultstreifen war auch „Faster, Pussycat! Kill! Kill!” seiner Zeit voraus und floppte zunächst. Erst viele Jahre später wurde er von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Kritiker-Papst Roger Ebert: „Was das Publikum anzieht, ist nicht der Sex und nicht einmal die Gewalt, sondern das Bild von starken Frauen als einer Pop-Art-Fantasie, auf einem hohen Energielevel auf Film gebannt und auf eine Weise aufgebauscht, die bizarr und unnatürlich erscheint, bis man sich klarmacht, dass Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Jean-Claude Van Damme und Steven Seagal im Prinzip ebenfalls solche Charaktere spielen. Natürlich ohne die Büstenhalter.“ „Comicstrip-artige Horrorkomödie, die sexuelle Fantasien zugleich karikiert und bedient, und männliches Macho-Gehabe in maßlosen Überspitzungen so richtig lächerlich macht.“ (Heyne-Filmlexikon) Hingerissen war natürlich auch „Bad Taste“-König John Waters: „Ich war komplett hin und weg. Ein Drama über eine lesbische Redneck-Killerin, und, weil es in Schwarzweiß war, irgendwie künstlerisch. Sie waren mörderische, sexbesessene Lesben, und das war genau meine Kragenweite. Das waren Feministinnen, aber irgendwie auf die Las-Vegas-Art.“

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Common-Law Cabin

USA 1967, 70 Min., OV, digital, R.: Russ Meyer, D.: Jack Moran, Babette Bardot, Adele Rein, Frank Bolger, Alaina Capri

„How Much Lovin' Does a Normal Couple Need?“ lautet der Originaltitel von Russ Meyers Exploitation-Erguss aus dem Jahr 1967. Nun ja, offenbar jede Menge! Anders lässt sich das stetige Kommen und Gehen im verranzten Motel „Hoople's Paradise“ nicht erklären. Auf seine exklusive Innenausstattung (Tripadvisor-Bewertung: 36 Prozent) lassen sich die steigenden Übernachtungszahlen jedenfalls kaum zurückführen. Schon eher auf die aufopferungsvolle Hingabe, mit der Dewey Hoople samt Frau Babette und Tochter Coral die Absteige mitten in der Wüste Arizonas betreiben. Schließlich gehört dort auch die Befriedigung manch fleischlicher Bedürfnisse zum Zimmerservice ...

Russ Meyer, wie wir ihn lieben! In „Die liebestollen Hexen“ (so der deutsche Titel) zieht der Altmeister nackten Trashs alle Register: Neben zünftigen Raufereien, Mord und Totschlag gibt es auch jede Menge Alkohol und natürlich einige Brüste zu bewundern. Große Brüste. Riesige Brüste! Brüste, die im heißen Wüstenwind leidenschaftlich schwingen und schaukeln, wogen und wiegen ... Ach, seht selbst!

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Finders Keepers, Lovers Weepers!

USA 1968, 71 Min., dF, 35mm, R.: Russ Meyer, D.: Anne Chapman, Paul Lockwood, Gordon Wescourt, Duncan McLeod, Robert Rudelson

„Paul betreibt eine Oben-ohne-Bar. Daran ist nichts Verwerfliches. Allerdings geht er nach getaner Arbeit nicht brav nach Hause zu seiner hübschen Frau Kelly, sondern verbringt die Nächte in einem Bordell, in dem er eine besondere Behandlung bekommt, da er aus seiner Bar immer wieder Freier dorthin schickt. Dort schläft er dann auch immer einige Sekunden nach vollzogenem Akt ein. Als es seiner Frau reicht, beschließt sie ohne sein Wissen in Pauls Bar aufzutreten. Im Anschluss daran kommt sie dem Barkeeper schnell näher. Die beiden haben aber noch auch nicht gemerkt, das jemand versucht einzubrechen …

Alle Männer sind ungehobelte Klötze, die sich verhalten wie die Axt im Walde und zu nichts zu gebrauchen sind. Frauen haben große Brüste, sind lange zu gutmütig, wehren sich schließlich, dann aber doch und sind auch ansonsten dufte. Meyer liefert ab. Es gibt Sex und Gewalt und einige kesse Sprüche.“

(Tofu Nerdpunk)

 

Werkschau RUSS MEYER

Russell Albion „Russ“ Meyer wurde am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren (seine Abstammung thematisiert er immer wieder ironisch in seinen Filmen). Schon als Teenager begeisterte er sich für Filme und drehte Kurzfilme zu Hause. Im 2. Weltkrieg wurde er eingezogen und als Kriegsberichterstatter in Europa stationiert. In einem französischen Bordell traf er auf Ernest Hemingway, der ihm die Prostituierte mit den größten Brüsten spendierte, damit er sich die Hörner abzustoßen konnte. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete er als Fotograf, u. a. für den neu gegründeten Playboy.

1958 gründete er eine eigene Produktionsfirma und begann als einer der ersten sog. „Nudie Cuties“ zu drehen: locker-leicht beschwingte und durch Voice-Over kommentierte Filme, bei denen die Nacktheit nur als Dreingabe zur Handlung dargestellt wird, um nicht die Aggression der Zensoren auf sich zu lenken. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961). Seine Darstellerinnen wählte er stets entsprechend seiner Vorliebe für extrem große Oberweiten aus (in einem Playboy-Interview gab er an, mind. 120 cm). In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 22. Oktober 1993 sagte Meyer: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden“.

Schon 1964 griff er mit „Lorna“ ein neues Genre auf, das des sog. „Roughies“: Sex und Gewalt greifen filmisch hart in einander, die Geschichten werden in düsteren Schwarzweißbildern präsentiert. Die Szene der badenden Lorna Maitland rief dabei einen Skandal hervor. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) wurde als Kultfilm international berühmt und erfolgreich. Erstmals werden drei selbstbewusste starke Frauen zu Hauptpersonen, die sich der lüsternen und schwächlichen Männerwelt aggressiv entgegensetzen. Vielen Regisseuren wurde der Film eine Inspiration, u. a. John Waters und Quentin Tarantino. Diesen Frauentyp behielt Russ Meyer von nun an bei, auch wenn er in den folgenden Jahren mit seinen Filmen sich allmählich einen bunten, comichaft geschnittenen Stil aneignete. Ausnahmen hierbei bilden vor allem „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) als grellbunte poppige Satire auf das Medienbusiness in Anlehnung an „Valley of the Dolls“, die Russ Meyer in völliger Freiheit durch 20th Century Fox drehen konnte, und „Black Snake“ (1973), ein ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Als sich in den 70ern langsam die Hardcorepornografie durchsetzte, sank der Erfolg von Russ Meyers Filmen, sodass es für ihn immer schwieriger wurde, seine Filme zu finanzieren. Am Pornofilm hatte er keinerlei Interesse. Am 18. September 2004 verstarb er schließlich in Los Angeles. Da das KommKino erklärter Russ-Meyer-Fan ist, wird es längst Zeit, dem Kultregisseur und Meister der Doppel-D-Filme in einer umfassenden Werkschau zu huldigen.

Citizen Juling

OT: Polamuang Juling, T 2008, 222 Min., eng. OV, digital, R.: Ing K.

„Wie konnte es dazu kommen, dass die buddhistische Kunsterzieherin Juling, eine junge Idealistin aus dem Norden Thailands, komatös in einer Blutlache in der Dorfschule tief im islamischen Süden des Landes lag? Der thailändische Menschenrechtsaktivist und Politiker Kraisak Choonhavan geht mit diesem Film den Ereignissen und ihren Ursachen auf den Grund.

Diese ungewöhnliche Dokumentation über die Unruhen im Süden Thailands versucht, die Seele dieses Landes mit all ihren bizarren Ausformungen zu ergründen. […] Der Film [ist] ein Dokument der letzten vier Monate der Gewaltherrschaft der Regierung von Thaksin Shinawatra. Tausende Menschen wurden in dieser Zeit ohne Gerichtsverfahren ermordet, viele „verschwanden“ einfach.“ [Forum der Berlinale, 2009]

 

Werkschau der Regisseurin ING K. in persönlicher Anwesenheit

Die thailändische Künstlerin und Filmemacherin Ing Kanjanavanit (die unter dem Künstlernamen Ing K. arbeitet) ist eine der interessantesten südostasiatischen Filmemacherinnen der Gegenwart. Nach einem Studienaufenthalt in England arbeitete sie 1980 als UNHCR-Freiwillige in Flüchtlingslagern an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Anschließend war sie als Journalistin tätig und spezialisierte sich dabei auf Umweltthemen. Seit 1991 dreht sie Dokumentarfilme. Ihr erster Spielfilm ist „My Teacher Eats Biscuits“ (1998), der kurz nach seinem Erscheinen von der staatlichen Zensur wegen Beleidigung der Religion verboten wurde. Anschließend konzentrierte sie sich verstärkt auf die Malerei und drehte nach fast zehn Jahren Filmabstinenz „Citizen Juling“, der 2009 im Forum der Berlinale gezeigt wurde. 2012 entstand mit „Shakespeare Must Die“ die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Direkt anschließend sorgte sie für ein filmgeschichtliches Unikat: Einen Dokumentarfilm über das Verbot ihres eigenen Spielfilms, in dem sie endlose kafkaeske Behördengänge, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren dokumentiert.

Shakespeare Must Die

OT: Shakespeare Tong Tai, T 2011, 172 Min., eng. OV, digital, R.: Ing K., D.: Pisarn Pattanapeeradej, Fiona Tarini, Chatdanai Musigchai, Totrakul Jantima, Nammon Joiraksa

Diese „Shakespeare-Horrorverfilmung“ spielt an zwei parallelen Orten: innen in einem Theater, in der Welt des Stücks über den ehrgeizigen Kriegsherrn Macbeth, der durch Mord König wird, und in der „Außenwelt“, im zeitgenössischen Leben eines undefinierten mörderischen Diktators, der nur als „Lieber Diktator“ betitelt wird, und seiner erschreckenden und unmenschlichen Frau. Ereignisse in den beiden Welten spiegeln sich und fließen bald blutig ineinander, bis sie katastrophal kollidieren, wenn die Schauspieler für die Inszenierung eines solchen Stücks zu der Herrschaft eines solchen Mannes teuer bezahlen müssen.

„Shakespeare Must Die“ ist die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand, inszeniert in einem atemberaubend dynamischen, farbenfrohen Stil, der Seifenoper und volkstümliche Theatertraditionen miteinander vermengt. Gedreht wurde zu einer Zeit der soziopolitischen Unsicherheit in Thailand, zeitweise wurden die Dreharbeiten sogar fortgesetzt, als Bangkok durch die Rothemden von April bis Mai 2010 besetzt war. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Mithin durfte das knapp dreistündige Opus Magnum bis heute nicht in Ing K.s Heimatland aufgeführt werden.

In Anwesenheit der Regisseurin Ing K., moderiert von Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt)

Die Veranstaltung findet im Filmhaus-Saal statt.

 

Werkschau der Regisseurin ING K. in persönlicher Anwesenheit

Die thailändische Künstlerin und Filmemacherin Ing Kanjanavanit (die unter dem Künstlernamen Ing K. arbeitet) ist eine der interessantesten südostasiatischen Filmemacherinnen der Gegenwart. Nach einem Studienaufenthalt in England arbeitete sie 1980 als UNHCR-Freiwillige in Flüchtlingslagern an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Anschließend war sie als Journalistin tätig und spezialisierte sich dabei auf Umweltthemen. Seit 1991 dreht sie Dokumentarfilme. Ihr erster Spielfilm ist „My Teacher Eats Biscuits“ (1998), der kurz nach seinem Erscheinen von der staatlichen Zensur wegen Beleidigung der Religion verboten wurde. Anschließend konzentrierte sie sich verstärkt auf die Malerei und drehte nach fast zehn Jahren Filmabstinenz „Citizen Juling“, der 2009 im Forum der Berlinale gezeigt wurde. 2012 entstand mit „Shakespeare Must Die“ die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Direkt anschließend sorgte sie für ein filmgeschichtliches Unikat: Einen Dokumentarfilm über das Verbot ihres eigenen Spielfilms, in dem sie endlose kafkaeske Behördengänge, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren dokumentiert.

My Teacher Eats Biscuits

OT: Kon Grarb Mha, T 1996, 120 Min., eng. OV, 16mm, R.: Ing K., D.: Tarini, Krissada Clapp, Malina P., Daniel Susott, Pin Zabriskie

Der amerikanische Sektenforscher Victor Strong wird beauftragt, eine Frau und ihr Neugeborenes aus dem Ashram der Grenzenlosen Liebe zu befreien. Bei seinen Untersuchungen stößt er auf einen ungewöhnlichen Kult, in dem ein Hund namens Mi Kwai als Gott verehrt wird.

Ing K.s erster Spielfilm ist inspiriert von John Waters' Frühwerk und einer der ersten No-budget-Independent-Filme aus Thailand. Sollte der Film ursprünglich 1997 auf dem 1. Bangkok Film Festival laufen, wurde er schnell von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Auch gerichtliche Schritte brachten nichts, für die Regierung war Ing K.s Werk eine Beleidigung des Buddhismus und der Religionen Thailands und wurde als verdorbenes Machwerk für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht.

In Anwesenheit der Regisseurin Ing K., moderiert von Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt)

Werkschau der Regisseurin ING K. in persönlicher Anwesenheit

Die thailändische Künstlerin und Filmemacherin Ing Kanjanavanit (die unter dem Künstlernamen Ing K. arbeitet) ist eine der interessantesten südostasiatischen Filmemacherinnen der Gegenwart. Nach einem Studienaufenthalt in England arbeitete sie 1980 als UNHCR-Freiwillige in Flüchtlingslagern an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Anschließend war sie als Journalistin tätig und spezialisierte sich dabei auf Umweltthemen. Seit 1991 dreht sie Dokumentarfilme. Ihr erster Spielfilm ist „My Teacher Eats Biscuits“ (1998), der kurz nach seinem Erscheinen von der staatlichen Zensur wegen Beleidigung der Religion verboten wurde. Anschließend konzentrierte sie sich verstärkt auf die Malerei und drehte nach fast zehn Jahren Filmabstinenz „Citizen Juling“, der 2009 im Forum der Berlinale gezeigt wurde. 2012 entstand mit „Shakespeare Must Die“ die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Direkt anschließend sorgte sie für ein filmgeschichtliches Unikat: Einen Dokumentarfilm über das Verbot ihres eigenen Spielfilms, in dem sie endlose kafkaeske Behördengänge, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren dokumentiert.

Censor Must Die

T 2013, 150 Min., eng. OV, digital, R.: Ing K., D.: Manit Sriwanichpoom

Als „Shakespeare Must Die“, Ing K.s Filmadaption von „Macbeth“, durch die thailändische Regierung wegen Bedrohung der nationalen Sicherheit verboten wird, nimmt der Produzent Manit Sriwanichpoom die strapaziöse und kafkaeske Reise mit Behördengängen, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren auf sich, um für den Film eine Freigabe zu erhalten. Vom Kultusministerium, das den Film erst finanziert und dann verboten hat, hin zum Senat und dem Nationalen Menschenrechtsausschuss, bis zum Verwaltungsgericht, wo er die Regierung wegen Machtmissbrauchs anklagt.

Wo immer Manit Sriwanichpoom mitten im politischen Aufruhr hinging, folgte ihm die Regisseurin Ing K. mit einer Kamera. Herausgekommen ist die Dokumentation eines Kampfes für Gerechtigkeit, Menschenwürde und Meinungsfreiheit, die thailändische Regisseure nicht haben.

 

Werkschau der Regisseurin ING K. in persönlicher Anwesenheit

Die thailändische Künstlerin und Filmemacherin Ing Kanjanavanit (die unter dem Künstlernamen Ing K. arbeitet) ist eine der interessantesten südostasiatischen Filmemacherinnen der Gegenwart. Nach einem Studienaufenthalt in England arbeitete sie 1980 als UNHCR-Freiwillige in Flüchtlingslagern an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Anschließend war sie als Journalistin tätig und spezialisierte sich dabei auf Umweltthemen. Seit 1991 dreht sie Dokumentarfilme. Ihr erster Spielfilm ist „My Teacher Eats Biscuits“ (1998), der kurz nach seinem Erscheinen von der staatlichen Zensur wegen Beleidigung der Religion verboten wurde. Anschließend konzentrierte sie sich verstärkt auf die Malerei und drehte nach fast zehn Jahren Filmabstinenz „Citizen Juling“, der 2009 im Forum der Berlinale gezeigt wurde. 2012 entstand mit „Shakespeare Must Die“ die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Direkt anschließend sorgte sie für ein filmgeschichtliches Unikat: Einen Dokumentarfilm über das Verbot ihres eigenen Spielfilms, in dem sie endlose kafkaeske Behördengänge, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren dokumentiert.

Überraschungsfilm von Ing K.

T 2016, 120 Min., eng. OV, digital, R.: Ing K.

In ihrem aktuellsten Werk werden dokumentarische Aufnahmen von Thailand zu einer vielschichtigen Protestsymphonie verwoben.

Werkschau der Regisseurin ING K. in persönlicher Anwesenheit

Die thailändische Künstlerin und Filmemacherin Ing Kanjanavanit (die unter dem Künstlernamen Ing K. arbeitet) ist eine der interessantesten südostasiatischen Filmemacherinnen der Gegenwart. Nach einem Studienaufenthalt in England arbeitete sie 1980 als UNHCR-Freiwillige in Flüchtlingslagern an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Anschließend war sie als Journalistin tätig und spezialisierte sich dabei auf Umweltthemen. Seit 1991 dreht sie Dokumentarfilme. Ihr erster Spielfilm ist „My Teacher Eats Biscuits“ (1998), der kurz nach seinem Erscheinen von der staatlichen Zensur wegen Beleidigung der Religion verboten wurde. Anschließend konzentrierte sie sich verstärkt auf die Malerei und drehte nach fast zehn Jahren Filmabstinenz „Citizen Juling“, der 2009 im Forum der Berlinale gezeigt wurde. 2012 entstand mit „Shakespeare Must Die“ die erste filmische Adaption eines Shakespeare-Stücks überhaupt in Thailand. Obwohl es sich um eine wortgetreue Über- und Umsetzung des Stückes „Macbeth“ handelt, stufte die thailändische Zensur diesen Film als „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ein. Direkt anschließend sorgte sie für ein filmgeschichtliches Unikat: Einen Dokumentarfilm über das Verbot ihres eigenen Spielfilms, in dem sie endlose kafkaeske Behördengänge, Antragsverfahren und Stellungnahmen der Zensoren dokumentiert.

Dirty Pictures & Italo-Cinema präsentieren:

Die gnadenlose Welt des Italowesterns

Acht bleigeladene Filme auf glorreichen 35 Millimetern

Anfang des Jahres 2012 machten sich fünf Liebhaber des Italowesterns erstmals auf den Beutezug in die weite Welt der 35mm-Kopien. Auf der Suche nach Titeln, welche in Deutschland nur im Kino ausgewertet worden sind, konnten einige verschollen geglaubte Italowestern wiederentdeckt und teils durch freundliche Zusammenarbeit mit Anbietern auf dem DVD-Sektor sogar wieder einer breiten Masse zugänglich gemacht werden. Durch den weiteren Zuwachs an Supportern konnte der Bestand im Laufe von beinahe fünf Jahren kräftig erweitert werden. Mittlerweile befinden sich neben einigen Raritäten auch viele Klassiker des Italowesterns im Dirty-Pictures-Archiv.

Wir möchten dies nun zum Anlass nehmen, unser „Jubiläum“ im ehrwürdigen Nürnberger KommKino ausgiebig zu zelebrieren.
An gleich drei Tagen zeigen wir insgesamt acht auserwählte Italowestern. Von der raren Kinofassung von Enzo Castellaris „Die Satansbrut des Colonel Blake“ bis zum Giulio-Petroni-Genreklassiker „Von Mann zu Mann“ sollte die Filmauswahl das Herz jedes Genrefans höherschlagen lassen.
Alles selbstverständlich original von 35mm!

Abgerundet wird das Programm durch zahlreiche Kinotrailer, fachkundige Einführungen, Verlosungsaktionen und natürlich durch Fachsimpelei unter eingefleischten Genrefans.

Wir freuen uns auf Euer zahlreiches Erscheinen, wenn der Italowestern wieder die große Leinwand erobert.

Ticketinfos:

Dauerkarte: 30 €
Tageskarten:10 € (FR/SO) bzw. 20 € (SA)
Einzelkarten: 6 € pro Film
Reservierung: reservierung [at] kommkino.de

Timetable:

FR., 24.03.:

Die Satansbrut des Colonel Blake (21:15 Uhr)

Pistoleros (23:30 Uhr)

SA., 25.03.:

Rancheros (13:30 Uhr)

Schweinehunde beten nicht (16 Uhr)

Eine Kugel für MacGregor (20:45 Uhr)

Der lange Tag der Rache (23 Uhr)

SO., 26.03.:

Der Mann, der kam, um zu töten (13:30 Uhr)

Von Mann zu Mann (16 Uhr)

Die Satansbrut des Colonel Blake

OT: Sette Winchester Per Un Massacro, I 1967, 93 Min., dF, 35mm, R.: Enzo G. Castellari, D.: Edd Byrnes, Guy Madison, Thomas Moore, Louise Barret

Wir befinden uns im Jahre 1867. Ganz Texas ist von den Yankees besetzt ... Ganz Texas? Nein! Ein von Colonel Blake angeführter Trupp von ehemaligen Konföderierten hört nicht auf, den Besatzern Widerstand zu leisten. Zu ihnen gehören Chamaco, der erst schießt und dann „Guten Tag“ sagt. Rios, der weder das Kriegsbeil noch seine Opfer begräbt. Zeb Russel, eine „Ratte“, die jeden Job übernimmt. Mesa Alvarez, der Rammbock aus Texas, der nur Kleinholz hinterlässt. Fred Calhoun, dessen Spezialität die Frauen seiner Opfer sind. Und Levasseur, des Colonels französischer Diener, der sich gern „zum Affen macht“. Eine illustre Schar von unglorreichen sieben Desperados, die den Yankees das Leben zur Hölle machen. Jedenfalls so lang, bis ein Fremder die Bande unterwandert.  

Enzo G. Castellaris Filmografie beschert uns viele brutale und unterhaltsame Stunden. Er schickte den apokalyptischen Reiter ins italienische Wasteland. dirigierte Nico Palmieris exzessive Gewaltorgie und ließ die Bronx zum Sammelplatz für Psychopathen und Extremisten werden. Sein feines Gespür für ein attraktives Umsetzen von exploitativen Filmstoffen ließ ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil des italienischen Genrekinos werden. Bei seiner zweiten Western-Regiearbeit, „Die Satansbrut des Colonel Blake“ mischt Enzo Brutalität mit Zynismus. Der Film entsprang der Blütezeit des italienischen Westerngenres und wurde in der Gegend um Rom gedreht. Mit sehenswerten Bildkompositionen von tristen Landschaften, etwas Low-Key-Fotografie, kleinen Wendungen und sarkastischem Humor lädt Castellari zu einem Glas Wein mit Colonel Blake, einem Outlaw, Rebell und Gentleman zugleich. Gespielt von einem großartigen Guy Madison, der (wie John Ireland und Lee van Cleef) in den 1960er Jahren die USA verließ, um in Europa sein zweites „Filmglück“ zu finden. Ein weiterer Grund diesen Film zu mögen, ist Edward „Edd“ Byrnes. Denjenigen, die vor der „Punk-Revolution“ zur Welt kamen, wird Edd (als Kookie) aus der TV-Serie „77 Sunset Strip“ bekannt sein. Der Entenarsch*, der u. a. durch Hans Clarins spezielle Synchronstimme („Kookie-Kickser“) zu einem Idol der deutschen Teenagerpresse (sowie zur zickigen Diva) wurde. Edd spielt die Rolle des dubiosen Stuart, ein glatt rasierter Alleskönner, dessen Hauptzotteln auch in den haarigsten Situationen einen einwandfreien Eindruck hinterlassen. Abgerundet wird das Gesamtwerk mit dem melodiösen Titelsong „Seven Men“, geträllert von Raoul.  

“When seven daring young men,
when seven creeping shadows
go riding and looking for trouble,
trouble comes.“

Na, wenn das keine Ansage ist?

Frank Faltin

*spezielle Rock´n´Roll-Pomade

 

Filme

Pistoleros

OT: All’ombra Di Una Colt, I/ESP 1965, 82 Min., dF, 35mm, R.: Giovanni Grimaldi, D.: Stephen Forsyth, Aldo Sambrell, Anne Sherman, Conrado San Marin

Der erfahrene Duke Buchanan und der junge Heißsporn Steve Blaine bilden ein äußerst durchschlagskräftiges Gunslinger-Gespann. Im Unterschied zu seinem älteren Kompagnon möchte Steve nicht langfristig die Brötchen mit dem Colt verdienen, denn er liebt Dukes Tochter Susan und strebt mit ihr ein friedfertiges Leben auf einer eigenen Ranch an. Sehr zum Missfallen des Altvorderen, für den ein Schwiegersohn aus der eigenen Zunft überhaupt nicht in Frage kommt. Steve nutzt deshalb die erstbeste Chance und setzt sich mit Susan und der Hälfte der gemeinsamen Unternehmenskasse ab; Dukes Anteil übergibt er dessen Freundin Fabienne zur Verwahrung, die jedoch die Kohle für sich einstreicht. Auf der Suche nach einem schönen Flecken Erde landen die beiden Verliebten im Grenzkaff Providence. Steve kann eine Ranch ergattern und endlich Susan heiraten. Doch in Providence herrschen die beiden zwielichtigen Geschäftsleute Jackson und Burns, die mit ihren Schlägern den Kleinbauern die Scholle zu einem Bruchteil des Wertes abpressen. Und es dauert nicht lange, bis auch der rachsüchtige Duke in Providence eintrifft ...

Mit "All'ombra di una colt" wechselte der Drehbuchautor Giovanni Grimaldi (er schrieb u. a. einen Großteil der "Toto"-Komödien) ins Regiefach über und konnte mit einem ziemlich ausgereiften Streifen reüssieren. Zwar ist wie bei vielen Italowestern der Frühphase noch ein leichter US-Western-Einfluss spürbar - der Kanadier Stephen Forsyth gibt glattrasiert mit Halstuch und blütenweißem Hemd ein astreines Roy Rodgers-Lookalike -, doch handwerklich zeigt Grimaldi wohin die Reise geht. Die aufwendigen Kameraeinstellungen und der knackige Schnitt sind weit über dem damaligen Italowestern-Standard, der tolle Score von Nico Fidenco sitzt wie ein Maßanzug. Im Nebencast finden sich mit Franco Ressel, Aldo Sambrell, Pepe Calvo und Helga Liné gern gesehene Genre-Gesichter, die den etwas hölzernen Forsyth locker durch die Story tragen. Ich verspreche: Spätestens beim finalen Shootout geht bei jedem der Daumen nach oben!

Stefan Groß/Film Maniax

 

Filme

Rancheros

OT: La Diligencia De Los Condenados, I/ESP 1970, 90 Min., dF, 35mm, R.: Juan Bosch, D.: Richard Harrison, Fernando Sancho, Erika Blanc, Bruno Corazzari

Anthony Stevens und seine zwei Kollegen wurden wegen Vergewaltigung, Mord und Diebstahl eingebuchtet und warten nun im Gefängnis auf ihre Verhandlung. Um die drei Verbrecher dauerhaft hinter Gitter zu bringen, benötigt die Anklage die Aussage eines Zeugen, der sich gerade mit der Postkutsche auf dem Weg in die Stadt befindet. Um das zu verhindern, heuert Stevens den Banditen Ramón an, der den Gefährlichen ausschalten soll. Zusammen mit seinen Männern entführt Ramón die Insassen der Kutsche und hält sie in einer Poststation als Geiseln fest. Um herauszufinden, wer von den Fahrgästen der gesuchte Zeuge ist, beginnt ein nervenaufreibender Psychokrieg, bei dem alle Beteiligten um ihr Leben fürchten müssen.

Raub, Mord, Vergewaltigung, Entführung, Schlägereien, eine heiße Tanzvorstellung, eine entlegene Poststation sowie Fernando Sancho und Schnauzbart Richard Harrison. Kann ein Film schlecht sein, der so beginnt? Klare Antwort: nein! In diesem knallharten Paella-Western von Regisseur Juan Bosch liefern sich Sancho und Harrison ein nervenzerfetzendes Psychoduell, in dem es nur einen Sieger geben kann. Enrique Escobar komponiert dazu ein schönes Trompetenstück und die Kamera fängt die wundervolle spanische Landschaft ein, von der der Zuschauer aber leider viel zu wenig zu sehen bekommt. Dass Filme, die überwiegend auf engstem Raum in einer Poststation spielen, für Hochspannung sorgen können, hat etwa zur selben Zeit auch Giuseppe Vari mit „Prega il morto e ammazza il vivo“ (Mörder des Klans) bewiesen, wie auch zuletzt Quentin Tarantino mit seinen „Hateful Eight“. Bosch kommt mit seinem von den Genreveteranen Luciano Martino und Ignacio F. Iquino mitgeschriebenen, „La diligencia de los condenados“ zwar bei weitem nicht an die beiden genannten Filme heran, dazu fehlt einfach eine interessante Geschichte und mehr Tempo, kann aber durch seine exzellente Besetzung punkten und sorgt durch ausreichende Action und Spannung für kurzweilige Unterhaltung.

nerofranco

 

Schweinehunde beten nicht

OT: I Vigliacchi Non Pregano, I/ESP 1968, 101 Min., dF, 35mm, R.: Mario Siciliano, D.: Gianni Garko, Ivan Rassimov, Elisa Montès, Roberto Miali

Brian Clarke kommt aus dem Krieg heim und freut sich auf sein gemütliches Zuhause. Doch ein paar böse Menschen gönnen ihm das kleine Glück nicht: Sie versuchen ihn zu erschießen, töten seine Frau und zünden sein Heim an. Brian wird zufällig gerettet, hat aber das Gedächtnis verloren. Er weiß nur noch, dass einer der Banditen einen Sheriffstern trug, weswegen für ihn kein anderes Gesetz mehr existiert als eines: das der Rache. Fortan reitet er mit Retter Daniel und dessen kleinem Bruder Robert durch die Weiten westlich von Almería, immer in der Hoffnung die Lumpen zu finden, die ihm das angetan haben. Doch allmählich ist um ihn der Hauch des Todes, und er wird vom netten Allerweltskerl immer mehr zum dreckigen Schweinehund, der nur noch für das Blutvergießen und das Töten lebt. Er selber merkt das gar nicht, seine Umwelt aber dafür umso schmerzhafter. Und irgendwann kommt der Punkt, wo sich sein Freund Daniel entscheiden muss …

Gianni Garko kennt man im Western ja in erster Line als schwarzgewandeten Sartana mit Berliner Kodderschnauze. Auch in dem ein oder anderen Poliziottescho war er gerne mal zu Gast, genauso wie in diversen Kriegsfilmen oder Sexklamotten. Aber seine besten (Western-) Rollen hat er entschieden in der Glanzzeit des Italowesterns zwischen 1966 und 1970 gehabt. In „Schweinehunde beten nicht“ darf er mal nicht den genialisch-sinistren Alleswisser mimen, sondern so richtig am Rad drehen, seiner Mordlust Zucker geben, und dabei zeigen, was er als Schauspieler drauf hatte. Als Mann, der alles verloren hat, seine Frau, sein Heim, sein Gedächtnis, seinen Verstand und sein Selbstwertgefühl (in dieser Reihenfolge), stellt Brian Clarke einen richtigen echten IW-Helden dar: Schmutzig, abgrundtief verdorben, böse und gemein. Und doch gehören ihm unsere Sympathien, ist er im Grunde ja eine geschundene und getretene Kreatur, die im Herzen eigentlich ein guter Kerl ist. Eigentlich. Eben diese glaubwürdige Darstellung Gianni Garkos, diese langsame Mutation eines netten Menschen zum hemmungslosen Killer ist es, die zusammen mit den stark inszenierten Actionszenen und bewährten Darstellern wie Ivan Rassimov oder Elisa Montés den Film aus der Masse der Western der zweiten Reihe heraushebt, und damit einen überdurchschnittlichen Genrevertreter erzeugt.

Maulwurf

 

Eine Kugel für MacGregor

OT: Sette Donne Per I Macgregor, I/ESP 1967, 91 Min., dF, 35mm, R.: Franco Giraldi, D.: David Bailey, Agata Flori, Leo Anchòriz, George Rigaud

Kommt der Schotte in den Wilden Westen, so geizt er vielleicht mit seinem Geld und seinen Whisky-Vorräten, doch geizt er nie mit Kugeln. Erst recht nicht, wenn sein zünftiges Familienfest von räudigen Banditen aufgemischt wird, die auch noch die vergrabene Schatztruhe mit dem Gold der McGregors mitgehen lassen. Als dann auch noch ihre feschen irischen Bräute entführt werden sollen, kennen die sieben Söhne des McGregor-Clans keinen Pardon mehr mit den Bösewichten, die unter dem Kommando des skrupellosen Maldonado stehen.

Franco Giraldi mag dem geneigten Genrefan vielleicht durch seinen smarten Krimiwestern „Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ ein Begriff sein, und auch mit der Fortsetzung seines eigenen Westernheulers „Die 7 Pistolen des McGregor“, von der er auch weite Teile des Casts übernahm, landete er einen Volltreffer. Wie der Vorgänger ist auch „Eine Kugel für Mac Gregor“ eine italienisch/spanische Co-Produktion, also halb Chorizo-, halb Spaghettiwestern und bietet jede Menge Schauwerte, einen spielfreudigen Cast und abgefahrene Einfälle im Minutentakt. Eine Exposition wird gleich ganz ausgelassen, Schotten und Iren feiern ein zünftiges Get-together, da erscheinen finstere Mexikaner am Horizont und los geht’s! Von Beginn an wirft Giraldi einen Riemen nach dem anderen auf die Orgel bietet satte Action und Humor, der jedoch nie in die ganz infantilen Abgründe des Klamauks abdriftet. Damit gesellt sich dieser Film in eine Reihe mit den wenig später entstandenen Spencer/Hill-Produktionen eines Enzo Barboni oder deren Rip-Offs wie den beiden Providenza-Streifen mit Tomás Milián. „Die glorreichen Sieben“ treffen hier auf „Eine Braut für sieben Brüder“ und Franco Giraldi beweist, dass er in seinen Lehrjahren an den Seiten von Sergio Corbucci und Sergio Leone so einiges an Know-how mitnehmen konnte. So wartet hier eine ebenso launige wie veritable Wiederentdeckung einer vergessenen Genreperle auf den Spaghettiwestern-Connaisseur, die es vielleicht nicht ganz mit den ganz großen Vorbildern ihrer Zunft aufnehmen, aber so manchem Mitläufer im Vorbeigang noch mächtig was auf die Omme geben kann.

 

Der lange Tag der Rache

OT: I Lunghi Giorni Della Vendetta, I/ESP/F 1967, 105 Min., dF, 35mm, R.: Florestano Vancini, D.: Giuliano Gemma, Francisco Rabal, Nieves Navarro, Gabriella Giorgelli

Drei ganze Jahre ist es nun her, seitdem der unschuldige Ted Barnett (Giuliano Gemma) infolge mehrerer falscher Zeugenaussagen zu insgesamt dreißig Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. Aber wie kam es überhaupt dazu? Aufgrund einer perfiden Intrige eines schurkenhaften Sheriffs (Francisco Rabal) und eines skrupellosen Großgrundbesitzers (Conrado San Martín) findet sich der bis dahin rechtschaffene Ted eines schönen Tages völlig unverhofft auf der Anklagebank eines hohen Gerichts wieder, von dem ihm der eiskalte Mord an seinem Vater zur Last gelegt wird. Die wahren Verantwortlichen an dieser grausamen Bluttat waren letztendlich aber der besagte Sheriff Douglas und sein landbesitzender Kumpane Cobb. Sie hatten es beide auf die Bahnstrecke abgesehen, welche sich im Besitz von Barnetts Vater befand. Und seitdem rollen Woche für Woche ungehindert höchstkriminelle Warensendungen über die blutgetränkten Gleise der zu Unrecht angeeigneten Eisenbahnlinie. Aber kommen wir zurück zu unserem steinekloppenden Barnett, dem sich just in diesem Moment erstmals die Möglichkeit zur Flucht bietet. Zurück in der wiedergewonnen Freiheit wandelt sich der zuvor rechtschaffene Ted in einen selbstrechtschaffenen Racheengel mit weißer Weste, der nur noch das eine Ziel vor Augen hat: unerbittliche Rache an den Mördern seines Vaters!

Bei „Der lange Tag der Rache“ handelt es sich um einen äußerst gelungenen Vertreter des Italowestern-Genres, für dessen Inszenierung sich Florestano Vancini verantwortlich zeigte. Zwar wirkt die grundlegende Geschichte recht simpel und überschaubar, kann aber aufgrund seines spannungsgeladenen Inszenierungsstils, der beteiligten Darsteller und der beeindruckenden Kamerabilder dennoch ordentlich begeistern. Giuliano "Engelsgesicht" Gemma mimt hierbei den rachebesessenen Ted Barnett, der nach seiner Flucht aus dem Arbeitslager zunächst einmal ein rasputinartiges Erscheinungsbild nach außen trägt. Aber glücklicherweise lässt er sich bereits kurz darauf den degenerierten Rauschebart und die dazugehörige Wildwuchsfrisur von einem talentierten Haarschneider beseitigen, sodass er von da an als gepflegt ausschauender Racheengel mit seinem unerbittlichen Rachefeldzug gegen die Mörder seines Vaters loslegen kann. Dabei muss sich der smarte Ted zuerst einmal sowohl mit unzähligen Handlangern der anvisierten Oberschurken als auch mit meineidigen Zeugen herumschlagen, wodurch er auf seinem langen Weg der Rache eine immer länger werdende Blutspur hinter sich herzieht. Kaum am Zielort - der beschaulichen Westerngemeinde Carltown - angekommen, beginnt er auch sogleich damit, die höchstkriminellen Geschäftsbegehren der beiden Halunken zu sabotieren. Dies führt dann wiederum zu einem schwer bleihaltigen Klima, dem sich schließlich niemand von den Beteiligten auch nur ansatzweise mehr entziehen kann.  Darüber hinaus wirken mit Nieves Navarro und Gabriella Giorgelli auch zwei äußerst bezaubernde Damen bei diesem delikaten Rachewestern mit, von denen die erstgenannte eine undurchschaubare und höchst zwielichtig wirkende Wild-West-Schönheit verkörpert. Gabriella Giorgelli hingegen mimt ein schlagfertiges Flintenweib, welches zugleich als holdes Töchterlein eines handelsreisenden Quacksalbers unserem rachedürstenden Westernhelden mehrmals den Rücken frei hält. Abgerundet wird das bleihaltige Spektakel letztendlich mit einer ganz vorzüglichen Filmmusik, die der Soundschmiede Armando Trovajolis entstammt. Abschließend sollte dann auch noch darauf hingewiesen werden, dass bei diesem rachelastigen Wild-West-Spektakel sogar die Sheriffsterne unter das geltende Waffengesetz fallen.

Richie Pistilli

 

Der Mann, der kam, um zu töten

OT: L’uomo Dalla Pistola D’oro, I/ESP 1966, 85 Min., dF, 35mm, R.: Alfonso Balcázar, D.: Carl Möhner, Luis Dávila, Fernando Sancho, Gloria Milland

Beim Poker musste der versoffene Ex-Chirurg und jetzige Falschspieler Doc MacGregor in Notwehr einen Mann erschießen. Nun ist ihm der erbarmungslose Kopfgeldjäger Slade auf den Fersen. Auf seiner Flucht stößt MacGregor zufällig auf die Leiche eines Mannes namens Larry Kitchener. Da Slade sein Gesicht nicht kennt, nimmt MacGregor kurzerhand die Identität des Toten an. Ein Fall von „Regen in die Traufe“, denn bald stellt sich heraus, dass Kitchener - ein Revolverheld von großem Ruf - als neuer Sheriff eine Kleinstadt vor dem berüchtigten, mordlüsternen Banditengeneral Reyes und seinen Männern beschützen sollte. Eine äußerst gefährliche Aufgabe, die nun MacGregor zufällt. Die Dinge werden nicht einfacher, als ausgerechnet der Kopfgeldjäger Slade als Deputy anheuert. Nun muss der vermeintliche Larry Kitchener einerseits seinen übermächtigen und äußerst grausamen Todfeind Reyes bezwingen und andererseits darum beten, dass Slade nicht hinter das Geheimnis seiner wahren Identität kommt ...

Mit „Der Mann, der kam, um zu töten“ gelingt dem spanischen Filmemacher in Diensten des Italowestern Alfonoso Balcázar ein krachender Hüftschuss aus der zweiten Reihe des Genre. Der Identitätentausch inklusive aller daraus resultierenden Verwicklungen gibt dieser in italienisch-spanischer Co-Produktion entstandenen Bleioper inhaltliche Würze, während die Bühne ansonsten ganz unserem tollwütigen Lieblings“mexikaner“ Fernando Sancho gehört. Wer sich im Metier etwas auskennt, weiß, dass in den 60er und 70er Jahren bei Fernando Sanchos Agent immer dann das Telefon geschellt hat, wenn Cinecittà einen Darsteller benötigte, der überzeugend den feisten, sadistischen Chef-Bandolero geben konnte. Das Telefon stand nie still, denn keiner überzog das Grenzland so schön mit Terror und Gewalt wie der beleibte Mime aus Saragossa, wenn er mit seinen niederträchtigen Companeros in Almeria unterwegs gewesen ist. Und versprochen: In „Der Mann, der kam, um zu töten“ darf sich der gute Sancho in seiner Paraderolle einmal mehr so richtig austoben. Als Banditengeneral Reyes stapelt er die Leichen von Gringos und in Ungnade gefallener Hombres bis zur Decke und haut uns die zynischen Sprüche a go-go um die Ohren. Selbstverständlich bleiben auch die Colts des Österreichers Carl Möhner (alias Kitchener aka Mac Gregor) und des aus dem fiebrigen, wahrscheinlich lustigen Pilzen entsprungenen Kultwesterndelirium MATALO! bekannten Luis Dávila (als Kopfgeldjäger Slade) nicht arbeitslos. Somit serviert uns Alfonso Balcázar neben grundsolidem Genrehandwerk und einem spannenden Plot auch eine Extraportion blauer Bohnen. Für die treffliche musikalische Untermalung sorgt im Übrigen Western-Hofkomponist A. F. Lavagnino. „Der Mann, der kam, um zu töten“ ist nicht nur ein kurzweiliger Italowestern der rauen, klassischen Schule, sondern darüber hinaus auch ein rares Sehvergnügen: Im Gegensatz zu geläufigeren Genrebeiträgen Balcázars wie „Die Todesminen von Canyon City“ oder „Für ein paar Leichen mehr“ gibt es zum vorliegenden Film noch keine Auswertung auf DVD. Zu sehen war er bislang lediglich gekürzt auf VHS und einmal uncut auf Kabel Eins. Umso schöner, dass der geneigte Bleiopern-Gänger hier und heute Gelegenheit findet, eine weitere Lücke in seinem Filmtagebuch zu schließen. Doch überlassen wir nun General Reyes das Schlusswort: „Was? Du willst mein Gold nicht? Dann kriegst du eben Blei!“

Christian Ade

 

Von Mann zu Mann

OT: Da Uomo A Uomo, I/ESP 1967, 116 Min., dF, 35mm, R.: Giulio Petroni, D.: John Phillip Law. Lee Van Cleef, Mario Brega, Luigi Pistilli

Bill Meceita (John Phllipp Law) hat drei verdammt gute Gründe für seinen Rachefeldzug. Seinen Vater, seine Mutter und seine Schwester, deren brutale Ermordung durch vier maskierte Banditen er als Kind mit ansehen musste. Er selbst hat diese Nacht nur überlebt, weil ein fünfter Unbekannter ihn aus dem in Brand gesteckten Farmhaus rettete. Auch der Revolverheld Ryan (Lee van Cleef) will Rache. Die letzten 15 Jahre verbrachte er mit Zwangsarbeit im Steinbruch, da seine früheren Komplizen ihn verrieten. Ryan will Kompensation, 15.000 Dollar von jedem der Verräter. Dabei kommt ihm dann allerdings Bill Meceita in die Quere, denn anscheinend sind sie beide hinter den gleichen Männern her. Doch schon bald müssen die Männer erkennen, dass sie einander brauchen, spätestens als sie es mit dem besonders skrupellosen und verschlagenen Walcott (Luigi Pistilli) zu tun bekommen, der Jahre damit verbrachte, den biederen Politiker zu spielen. Und der will sich den Raub von Millionen von Spendengeldern nicht von zwei Rächern aus der Vergangenheit verderben lassen.

Giulio Petronis „Von Mann zu Mann“ ist ein düsterer Rachewestern, dessen erste zehn Minuten dem Zuschauer für immer im Gedächtnis bleiben, ebenso wie dem kleinen Jungen Bill, zu dessen Trauma und Schicksal dieses frühe Kindheitserlebnis wird. Eingebrannt hat sich die Erinnerung an ein paar wenige, aber hervorstechende Merkmale, die die vier Banditen aufweisen, die seinen Vater erschossen und anschließend seine Mutter und Schwester vergewaltigt und getötet haben. Eine Tätowierung mit vier Assen auf der Brust des einen, ein auffallender Ohrring, eine Messernarbe im Gesicht sowie eine herausragend verschlagene Visage kennzeichnen die anderen drei. Ein fünfter – Bills geheimnisvoller Retter, der nicht bei der Tat dabei war - trug eine Kette mit einem silbernen Totenkopf als Anhänger um den Hals. Neben den beiden Hauptprotagonisten John Phillip Law und Lee van Cleef, sind auch die Rollen ihrer Gegenspieler hervorragend mit Luigi Pistilli, Anthony Dawson, Bruno Corrazari und José Torres besetzt. Des Weiteren wird dem Zuschauer natürlich Mario Brega ins Auge fallen, ebenso wie viele westernbekannte Kulissen und Landschaften in Andalusien. Musikalisch untermalt wird diese Rachegeschichte von Ennio Morricone, und damit ist die Mischung komplett. Ein Film für harte Kerle, die ihre Rechnung stets von Mann zu Mann und nur mit Blei bezahlen.

Gerald Kuklinski

 

Filme

Megane

J 2007, 106 Min., OmU, 16mm, R.: Naoko Ogigami, D.: Satomi Kobayashi, Masako Motai, Mikako Ichikawa, Ryô Kase, Ken Mitsuishi

Megane bedeutet in diesen Zusammenhang so viel wie Brillen. Diese werden sowohl von Taeko (Satomi Kobayashi) als auch von Sakura (Masako Motai) getragen. Und dies scheint auch die einzige Gemeinsamkeit der beiden Frauen zu sein, welche die Hauptfiguren dieses Films sind.

Beide sind Gäste auf einer Insel. Und auf dieser Insel gibt es im Grunde  nichts. Nicht mal Handy-Empfang. Das ist zumindest der Grund für Taeko, dort „Urlaub“ zu machen. Und nach anfänglicher innerer urbaner Unruhe freundet sie sich mit der ruhigen Atmosphäre auch an. Und Sakura? Nun ja, die betreibt in ihrer Inselzeit einen Eisladen. Da macht sie schon alle die Jahre so ...

„Megane“ ist ein allgemein sehr unaufdringlicher Film. Nicht nur dass kaum geredet wird. Es wird noch weniger erklärt. Gut, es gibt eigentlich auch nur wenig zu sagen. Das, was die Charaktere sagen wollen, sagen sie. Und für den Rest interessieren sich die gechillten (oder „dämmernden“, wie es der holprige Untertitel nennt) Inselbewohner auch nicht.

Es sollte noch angemerkt werden, dass Sakura auf japanisch die Kirschblüte bezeichnet. Und diese kommt jedes Frühjahr für wenige Tage, was mit der Tradition „hanami“, also das Blüten beobachten, gefeiert wird. Hierbei trifft man sich in Parks und die wunderschönen Kirschblüten zu betrachten. Und so schnell sie auch kommen, so plötzlich sind sie schon wieder weg. Doch sie kommen jedes Jahr wieder. Genau so wie unsere Sakura hier im Film, auch immer im Frühjahr.

„Megane“ zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem Japanischen Kulturinstitut (The Japan Foundation).

Der Eintritt ist frei!