The Love Witch

USA 2016, 120 Min., OV, 35 mm (21. und 25. April), digital (27. April), R.: Anna Biller, D.: Samantha Robinso, Gian Keys, Laura Waddell, Jeffrey Vincent Parise

Da können die Jungs der Inquisition samt eifriger Vollstrecker am Scheiterhaufen noch so gründlich ihre Arbeit verrichten - irgendeine Hexe geht ihnen immer durch die Lappen! In „Love Witch“ ist es die attraktive Elaine, die mit ihren okkulten Fertigkeiten die Männerwelt nicht nur um ihren Verstand, sondern letztlich auch um ihre Lebenskraft und Attraktivität bringt. Schuld ist die falsche Dosierung des effektiven Liebesfluchs, mit dem die ausgebuffte Satansbraut aus ihren heißen Liebhabern frustrierte Schlappschwänze macht. Das amouröse Leben einer Hexe kann manchmal deprimierend sein. Hoffnung schöpft Elaine, als sie endlich dem Mann ihrer Träume begegnet. Ihre Sehnsucht nach wahrer Liebe führt jedoch zu allerhand Missgeschicken wie Mord und Wahnsinn ...

Anna Billers schillerndes B-Movie mit A-Potenzial erstrahlt in herrlichem 60er-Jahre-Technicolor auf der Leinwand. Wenngleich die Horrorkomödie in der Gegenwart spielt, atmet sie den Geist der Swinging Sixties. Dort ein Hauch Giallo, hier eine Prise Hammer Studios, gelegentlich grüßt auch Hitchcock in „Love Witch“. Warum der fantastische Streifen in Deutschland weder in den regulären Verleih gewandert ist noch fürs Heimkino vermarktet wurde, ist dem KommKino ein Rätsel. Aber sei es drum, wir holen „Love Witch“ für Euch nach Nürnberg!

 

Filme

Ghostland

Frankreich/Kanada 2018 , 91 Min, digital, R.: Pasacal Laugier, D.: Crystal Reed, Rob Archer, Emilia Jones; OV: 05.04., 07.04., 20.04., dF: 06.04., 09.04., 11.04., 21.04.

„Als ihre Tante stirbt, erbt Colleen (Mylène Farmer) das seit Langem leerstehende Anwesen der Verstorbenen und zieht mit ihren Töchtern Beth (Emilia Jones) und Vera (Taylor Hickson) dort ein. Doch gleich in ihrer ersten Nacht in dem neuen Zuhause werden sie von brutalen Einbrechern terrorisiert und Colleen muss um ihr Überleben und das ihrer Kinder kämpfen. 16 Jahre später sind die Auswirkungen jener Nacht auf Beth (jetzt: Crystal Reed) und Vera (Anastasia Phillips) immer noch deutlich spürbar: Beth verarbeitet die traumatischen Erfahrungen als Autorin von Horror-Romanen, doch Vera hat keinen Weg gefunden, mit dem Erlebten umzugehen. Sie leidet unter starken Wahnvorstellungen und wohnt immer noch bei ihrer Mutter in dem geerbten Haus. Als Beth ihre Familie dort zum ersten Mal seit Langem besucht, kommt es zu merkwürdigen Vorfällen …Vor zehn Jahren drehte der französische Regisseur Pascal Laugier mit „Martyrs“ einen der extremsten, radikalsten und besten Horrorfilme des neuen Milleniums, einen modernen Klassiker des Genres. (…) Für seinen insgesamt vierten Film (…) hat sich Laugier nun einige Jahre Zeit gelassen – und das Warten hat sich durchaus gelohnt (...) ein knackiger, harter Horror-Thriller.“ (Michael Meyns, www.filmstarts.de)

 

Zelluloid-Sneak: öffentliche Testsichtung

In dieser Nacht heißt es: „Sky is the limit“. Zu sehen bekommt ihr Überraschungsperlen aus unserem Archiv: Echte Gefühle. Echtes Kino. 35mm. 16mm. Ein Abend, an dem alles passieren kann – im Guten wie im Bösen. Selbst der Filmvorführer lässt sich überraschen!

Was hier gezeigt wird, läuft vielleicht nie wieder in einem Lichtspielhaus dieser Welt, ist quasi unwiederbringlich verloren.

Für Filmrisse und Essiggeruch kommen Sie vorbei oder schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Enthiran

Indien 2010, 166 Min., OmeU, digital, R.: S. Shankar, D.: Rajinikanth, Aishwarya Rai Bachchan, Danny Denzongpa, Santhanam

Der pfiffige Wissenschaftler Dr. Vaseegaran (Rajinikanth) hofft auf den ganz großen Coup: Sein selbst gebastelter Android Chitti (ebenfalls gespielt von Rajinikanth) soll für das indische Militär als unbesiegbarer Maschinensoldat in die Schlacht ziehen. Dummerweise wurde Chittis Software im Rahmen eines Upgrades stark modifiziert, sodass der indische Robocop-Möchtegern sein Herz für die menschliche Spezies entdeckt - durchaus kontraproduktiv für eine Killermaschine. Statt den Feind zu metzeln, überschüttet Chitti fortan die Verlobte seines Schöpfers mit Liebesbeweisen. Das kommt nicht bei allen Beteiligten gut an ...

„Enthiran“ wurde im Jahr 2010 veröffentlicht und gilt als teuerster indischer Film aller Zeiten. Mit einem Budget von 40 Millionen Dollar liefert das Sci-Fi-Spektakel nicht nur fantastische Visuals, sondern beeindruckt auch mit exzellenten Darstellern. Gegen den ultrabösen Bollywood-Star Rajinikanth wirkt Chuck Norris wie ein Regensburger Domspatz. Apropos Goldkehlen: Gesungen wird in „Enthiran“ natürlich auch!

 

Filme

Viva

USA 2007, 120 Min., OV, 35 mm, R: Anna Biller, D.: Anna Biller, Jared Sanford, Bridget Brno

Barbi und Rick sind von außen betrachtet ein perfektes ­Paar: schön und erfolgreich. Doch hinter der Fassade kümmert sich Rick mehr um seine Karriere als die sexuellen Wünsche seiner Frau. Zum Glück zieht mit Mark und Sheila nebenan ein sexuell offenes Paar ein, dass Barbis Träume nur zu gern erfüllt. Als Mark rausfindet, was seine brave Hausfrau da nebenan so treibt, verlässt er Barbi und ebnet ihr damit den Weg in eine lustvolle Zukunft. Prompt ändert sie ihren Namen zu Viva und wird mithilfe ihrer Nachbarin Sheila zum neuen Stern der sexuellen Revolution.

Autorin und Regisseurin Anna Biller bezieht sich in diesem Streifen bewusst auf das Sexploitation-Kino der 70er Jahre. Sehr zum Gefallen des Boston Underground Film Festivals. Dort erhielt „Viva“ 2007 die Auszeichnung „Best of the Fest“.

 

Zwei Teufelskerle auf dem Weg zur grünen Hölle

Dschungelmädchen für zwei Halunken, D/I/ESP/Kolumbien 1974, 91 Min., dF, 35 mm, R.: Ernst Hofbauer, Fernando Orozco, D.: Alberto Dell'Acqua, Raquel Ércole, Wolf Goldan, Rinaldo Talamonti

„Bogota, Kolumbien. Die notorisch klammen Abenteurer Jeff und Jim verbünden sich mit dem unnützen, aber schwerreichen Millionärssohn Giovanni Telli, um dessen finanzierte Schatzsuche im Dschungel des brasilianischen Amazonas durchzuführen. Dabei werden sie sowohl vom Senior des Geldes, Bernardo Telli, und seiner Assistentin Miss Marisa als auch vom umtriebigen Konkurrenten Raphael Cupido gestört und verfolgt. Im Urwald angelangt, erwartet sie trotzdem noch eine ganz andere Überraschung, lebt dort doch unter der Herrschaft von Königin Liliana und ihrer Schwester Fabiola ein bisher unentdeckter Amazonenstamm, der ganz wild auf die Männer und die körperliche Liebe ist.

Hierbei noch co-inszeniert mit Fernando Orozco, in grundsätzlich kurzen Befehlsgesten und ansonsten wie improvisiert, verlegt Hofbauer seine Abart der nicht mehr gänzlich so familienfreundlichen Südamerika-Klamotte vor allem die der zweiten Hälfte der Szenerie direkt in das gewohnte Lustspiel und seine verbalen und visuellen Affären hinein. Barbusige Damen zuhauf schmücken ab dort die Umgebung, wobei die „Three Superguys“ (OT) nach einigen Animositäten zur Beglückung der ansonsten allein lebenden Frauen, der Liebeshexen vom Rio Negro, auch höchst willkommen und entsprechend gewürdigt sind. Die Geschichte drumherum bleibt dabei weiterhin Nebensache, narrativ ungelenk, ist auch zuvor schon das Geplänkel um die Landkarte und den vermeintlichen Goldschatz und die auch nur halbherzig versuchte Ausschaltung des Suchtrupps so gut wie egal; sowieso wirkt der Film trotz oder gerade wegen einiger weniger prägnanter Szenen komplett aus der Hüfte geschossen und so vom oberflächlichen Effekt her berechnet, was zumindest den Sympathie- und Servicewert der Obskurität obgleich schmuddeligen Ansinnens und unvollendeten Handwerks durchaus oben hält.

So hat man zwar auch hier nur vier Fäuste (sowie Judogriffe und 'Kung Fu Tritte'), erwäscht sich mit dem Zusatz von Begehrzwerg Talamonti, den Erkundungen der Vorzüge der lokalen Damenschaft und durchweg derberen Mamma-Mia-Wortwitz aber eine Ausgeblichen- und Abgegriffenheit kolonialer Darstellungen, in der die Emanzipation nicht gerade neu erfunden und auch sonst kein zivilisierter Umgang miteinander gepflegt wird. Entsprechend auch gehalten im grün-gelber Verschwitztheit, in der die zerschlissene Kleidung der Kanaillien, Maulhelden und Völkerbundsverwalter gleichsam schon speckig, das Hemd schon vorsorglich offen, bereit für das nächste Ablegen störenden Stoffes und den Grenzen des guten Geschmackes ist.“ (Con Trai/OFDb.de)