Der schwarze Korsar
(Il corsaro nero)
Italien 1977 | ca. 109 Min. | deutsche Fassung | 35mm [2.35:1]
Regie: Sergio Sollima
Musik: Guido & Maurizio De Angelis
Kamera: Alberto Spagnoli
Drehbuch: Sergio Sollima, Alberto Silvestri, Emilio Salgari
Darsteller: Kabir Bedi, Carole André, Mel Ferrer, Dagmar Lassander, Sal Borgese
Der Gouverneur von Maracaibo ist schon ein selten mieses Schwein, aber sein neuer Mann fürs ganz Grobe übertrifft den Gouverneur locker. Gnadenlos schlachtet dieser Eingeborene ab und überzieht das Land mit Terror. Zwei Männer stellen sich ihm entgegen, die beiden brüderlichen Grafen von Ventimiglia, genannt der grüne Korsar und der rote Korsar. Doch die beiden werden hinterhältig ermordet. Da ist aber noch ein dritter Bruder: Emilio, der schwarze Korsar. Und der lässt sich nicht so einfach überwinden. Emilio verpfändet dem Teufel seine Seele und schwört blutige Rache.
In der zweiten Hälfte der 70er-Jahre gab es ein kleines Revival von Piratenfilmen, bedingt durch den Erfolg des Fernseh-Vierteilers Sandokan. Hauptfigur, sowohl bei Sandokan wie auch in den darauf folgenden Filmen wie eben Der schwarze Korsar, war der Inder Kabir Bedi. Ein Mann, dessen äußere Erscheinung ihn bereits zum Prachtbild eines wilden und unbezähmbaren Freibeuters machte, dessen Blick den Geruch von Freiheit und Abenteuer ausstrahlte, und der einfach ein charmant-männliches und starkes Charisma hatte.
In Der schwarze Korsar kann Kabir Bedi nun so richtig vom Leder ziehen. Wild schauen, mit dem Degen oder dem Schwert Bösewichter abmurksen, verwegen schauen, galant sein zu Damen, verträumt schauen, edel und hilfreich tun, abenteuerlustig schauen – was man halt von einem gutaussehenden Korsaren so erwartet. Und nicht nur Kabir Bedi versprüht dabei ein fast unglaubliches Wohlfühl-Feeling, nein der ganze Film ist so! Sei es die erotische Carole André als Südseekönigin, Dagmar Lassander mit roter Perücke als feine Dame mit unfeiner Vergangenheit, oder Sonja Jeannine als edle Wilde im engen Lederanzug. Sogar Sal Borgese und Franco Fantasia sind nicht, wie in vielen Filmen, einfach nur anwesend, sondern haben richtig Text und Action und Screentime und sowas.
Irgendwie erzeugt Der schwarze Korsar beim Anschauen das gleiche Gefühl wie vor ganz vielen Jahren Der rote Korsar mit Burt Lancaster, der Sonntagnachmittag im Fernsehen lief, und Träume von Karibik, Galeonen und Piratenschätzen erweckte. Auch wenn die Rache-Story beim italienischen Film etwas grimmiger ist, die teuflischen Schwüre teuflischer und die Bösewichter um einiges böser sind als 20 Jahre zuvor, hier kehrt ein zelluloidgewordener Jungentraum zurück, der einem nach der Sichtung das Leben mehrere Tage lang ziemlich versüßen kann. Kein Wunder, dass der Film ziemlichen Erfolg hatte. Jack Sparrow? Pff, der hätte gegen den Cavaliere Emilio di Roccabruna, genannt der schwarze Korsar, nicht den Hauch einer Chance. Und seine künstlich aufgeblasenen und hohlen Filme erst recht nicht. Das wahre Abenteuer schippert bei Cartagena durch die Gewässer und kämpft gegen Spanier, Flamen, Falschheit und Langeweile in allen seinen Ausprägungen.
Maulwurf