Mittwoch, 16. September 2026 21:15
Hairspray OT: Hairspray, USA 1988, 92 Min., OmdU, R.: John Waters, D.: Divine, Ricki Lake, Deborah Harry, Jerry Stiller, Sonny Bono „Oh Mom, you’re so fifties!” Da ist er also
Hairspray
OT: Hairspray, USA 1988, 92 Min., OmdU, R.: John Waters, D.: Divine, Ricki Lake, Deborah Harry, Jerry Stiller, Sonny Bono
„Oh Mom, you’re so fifties!” Da ist er also wieder, der ewige Konflikt der Generationen. Diesmal ausgetragen von der kleinen Tracy Turnblad und ihrer spießigen Frau Mutter, die das Töchterchen daran hindern will, eine Tanzsendung zu besuchen – natürlich ohne Erfolg. Überraschenderweise avanciert Tracy, trotz einiger Pfunde zu viel auf den Rippen, zum heimlichen Star der Sixties-Show, was Neiderin Amber von Tussle (herrlich: Debbie Harry von „Blondie“) gar nicht schmeckt. Schließlich ist die Vorzeige-Tusnelda und Bühnen-Konkurrentin nicht gewillt, einen Teil ihres Ruhms an das Pummelchen abzugeben. Und erst recht nicht ihren heißen Freund, der Tracy zunehmend schöne Augen macht …
In Hairspray arbeitet sich Trash-Titan John Waters mit typischem Rock’n’Roll-Sound am Sujet des 60er-Jahre-Teenie-Films ab. Hinter der schrillen Oberfläche offenbart sich ein irrwitziges Politmusical, mit dem Waters jeglicher Ausgrenzung vermeintlicher Minderheiten (Dicke, Farbige, Unterschicht) einen deftigen Tritt vors Schienbein verpasst – deutlich effektiver und unterhaltsamer als der erhobene Zeigefinger. Hairspray ist übrigens der letzte Film von Schauspielerin und Drag-Queen Divine.
John Waters zum 80.
John Waters wurde am 22. April 1946 in Baltimore als Sohn katholischer Eltern geboren. In der Schule scharte er bereits eine Gruppe um sich, die sein Kunstverständnis teilte: Die „Dreamlanders“, wie sich Cast und Crew fortan nannten, wurden mit John Watersʼ ersten Langfilmen „Multiple Maniacs“, „Pink Flamingos“ und „Female Trouble“ zu Ikonen. Einer seiner Stars war Harris Glenn Milstead, besser bekannt als Divine.
Die Filme von John Waters erlangten große Underground-Berühmtheit und trugen maßgeblich zur Entwicklung des Midnight-Movie-Formats bei. Seine größten Vorbilder waren Rainer Werner Fassbinder, Ingmar Bergman, Herschell Gordon Lewis und William Castle. Abseits des guten Geschmacks kreierte der selbst ernannte „Schmuddelkönig von Hollywood“ Filme, die bewusst das bisherige Kinoverständnis infrage stellten und durch zahlreiche Tabubrüche die Zensur provozierten. Dies gelang ihm stets mit beißendem Humor und einer scharfsinnigen, hintergründigen Inszenierung. Seine Themen haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.