Cusack – Der Schweigsame
Originaltitel: Code of Silence, USA 1985, 100 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Andrew Davis, Darsteller: Chuck Norris, Henry Silva, Molly Hagan, Bert Remsen
Der Polizist Eddie Cusack ist kurz davor, die kolumbianische Comacho-Bande in Chicago hochgehen zu lassen. Doch eine italienische Drogenbande unter der Führung von Tony Luna kommt ihm zuvor und ermordet fast alle Mitglieder. Überlebende sind einzig Victor Comacho und sein Bruder Luis, welcher auf Rache sinnt. Er tötet Lunas Familie und entführt seine Tochter Diana. Cusack versucht, sie zu befreien und muss sich den rivalisierenden Banden alleine stellen. Die anderen Polizisten verweigern jegliche Hilfe, weil er einst den Schweigekodex gebrochen hat, um bezüglich eines Tötungsdelikts gegen einen Kollegen auszusagen. Nur ein Kampf-Roboter namens „Prowler“ steht ihm zur Seite.
An den Kinokassen zählte „Cusack – Der Schweigsame“ neben „Missing in Action“ (1984) und „Delta Force“ (1986) zu den erfolgreichsten Chuck-Norris-Filmen. Die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt, unter anderem mit Dennis Farina, der während der Dreharbeiten tatsächlich als Polizist in Chicago arbeitete. Den Oberschurken gibt kein geringerer als der legendäre Henry Silva. Der Film besticht auch durch seinen stimmungsvollen Soundtrack von David Michael Frank und eine eindrucksvolle, farbenprächtige Kameraführung von Frank Tidy. „Cusack – Der Schweigsame“ entpuppt sich als eine spannende und temporeiche Actiongeschichte, die durchaus kritische Tendenzen aufweist und mehr Tiefgang besitzt, als man vielleicht vermuten würde. Für viele der beste Chuck-Norris-Film.
In Memoriam Chuck Norris
„Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird Chuck Norris nicht nass – das Wasser wird Chuck Norris.“
Mit solchen „Facts“ wurde Chuck Norris weit über sein eigentliches Filmschaffen hinaus zur Popkultur-Ikone. Entstanden im Umfeld amerikanischer Late-Night-Shows der 2000er-Jahre und verbreitet durch das frühe Internet, existiert er für viele heute vor allem als Meme – als überlebensgroße, fast zeitlose Idee. Für ein älteres Publikum hingegen hat diese Figur ein konkretes Gesicht: das des Actionhelden der 1980er-Jahre, der mit stoischer Wortkargheit und geballter Schlagkraft für Recht und Ordnung sorgt.
Durch diese Kunstfigur erklärt sich auch sein filmisches Werk: Anders als bei Zeitgenossen wie Schwarzenegger oder Stallone sticht bei Norris kein einzelner Film mit eigenständiger popkultureller Relevanz hervor, sondern eher die Wiederholung eines etablierten Typus. Sein Auftritt 1972 als Gegner von Bruce Lee in „Way of the Dragon“ deutet diese körperliche Präsenz bereits an, die sich in den folgenden Jahren zum Idealbild des „Law and Order“-Vollstreckers verfestigte. In der Zusammenarbeit mit der Cannon Group fand dieser Typus ein ideales Umfeld: ein Kino, das auf Wiedererkennbarkeit, maximale Verlässlichkeit und die Bedienung simpler Konfliktmuster setzt.
So entsteht ein Œuvre, das weniger durch Entwicklung als durch Konsequenz geprägt ist: ein geschlossenes Heldenbild, das den Zeitgeist der Reagan-Ära vielleicht konsistenter widerspiegelt als jedes andere, zugleich aber auch die Grenzen dieser Eindeutigkeit offenlegt. Und genau diese stabile Selbstähnlichkeit seiner filmischen Persona ist es, die mehr ist als die Summe seiner Filme, sie förmlich überstrahlt. Weswegen Chuck Norris zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen ist. Besser gesagt: Die Filmgeschichte hat sich um ihn herum geschrieben.