Missing in Action 2
Originaltitel: Missing in Action 2 – The Beginning, USA 1985, 92 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Lance Hool, Darsteller: Chuck Norris, Soon-Tek Oh, Steven Williams
Im Vietnamkrieg: Colonel Braddock wird vom Vietkong gefangen genommen und zehn Jahre lang misshandelt. Nachdem ein Kamerad und Leidensgenosse von ihm an Malaria erkrankt, unterschreibt er ein Geständnis angeblicher Kriegsverbrechen, wird jedoch nicht wie versprochen anschließend freigelassen. Braddock flieht und sinnt auf Vergeltung …
Auch wenn der Film etwas unrealistisch beginnt – ein Hubschrauber wird vom Vietkong abgeschossen, obwohl sich Chuck Norris darin befindet – ist er recht spannend erzählt und mit sehr heftiger Action inszeniert, die vor harter Gewalt nicht zurückschreckt. Dies sorgte in Deutschland für zahlreiche Schnittauflagen und dennoch zusätzlich für eine inzwischen aufgehobene Indizierung als jugendgefährdend. Wir zeigen die ungeschnittene Version!
Der Reißer wurde vor dem harmloseren Teil 1 gedreht, von den Produzenten jedoch, wahrscheinlich auch wegen seiner Härte, als kommerziell weniger aussichtsreicher Film bewertet und deswegen nach Teil 1 als Prequel gestartet. Die Filme wirken runder und hinsichtlich Braddocks Charakterentwicklung klarer, wenn man diesen Film vor Zitos „Missing in Action“ (Teil 1) sieht.
In Memoriam Chuck Norris
„Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird Chuck Norris nicht nass – das Wasser wird Chuck Norris.“
Mit solchen „Facts“ wurde Chuck Norris weit über sein eigentliches Filmschaffen hinaus zur Popkultur-Ikone. Entstanden im Umfeld amerikanischer Late-Night-Shows der 2000er-Jahre und verbreitet durch das frühe Internet, existiert er für viele heute vor allem als Meme – als überlebensgroße, fast zeitlose Idee. Für ein älteres Publikum hingegen hat diese Figur ein konkretes Gesicht: das des Actionhelden der 1980er-Jahre, der mit stoischer Wortkargheit und geballter Schlagkraft für Recht und Ordnung sorgt.
Durch diese Kunstfigur erklärt sich auch sein filmisches Werk: Anders als bei Zeitgenossen wie Schwarzenegger oder Stallone sticht bei Norris kein einzelner Film mit eigenständiger popkultureller Relevanz hervor, sondern eher die Wiederholung eines etablierten Typus. Sein Auftritt 1972 als Gegner von Bruce Lee in „Way of the Dragon“ deutet diese körperliche Präsenz bereits an, die sich in den folgenden Jahren zum Idealbild des „Law and Order“-Vollstreckers verfestigte. In der Zusammenarbeit mit der Cannon Group fand dieser Typus ein ideales Umfeld: ein Kino, das auf Wiedererkennbarkeit, maximale Verlässlichkeit und die Bedienung simpler Konfliktmuster setzt.
So entsteht ein Œuvre, das weniger durch Entwicklung als durch Konsequenz geprägt ist: ein geschlossenes Heldenbild, das den Zeitgeist der Reagan-Ära vielleicht konsistenter widerspiegelt als jedes andere, zugleich aber auch die Grenzen dieser Eindeutigkeit offenlegt. Und genau diese stabile Selbstähnlichkeit seiner filmischen Persona ist es, die mehr ist als die Summe seiner Filme, sie förmlich überstrahlt. Weswegen Chuck Norris zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen ist. Besser gesagt: Die Filmgeschichte hat sich um ihn herum geschrieben.