101. Tuesday Trash Night
Megiddo: The Omega Code 2
USA 1970, 89 Minuten, deutsche Fassung, digital, Regie: Brian Trenchard-Smith, Darsteller: Michael York, Michael Biehn, Diane Venora, R. Lee Emery, Udo Kier, Franco Nero
Willkommen in der Welt des christlich-fundamentalistisch motivierten Blockbusterkinos – dort, wo US-Präsidenten im Stillen zu Gott beten und globale Krisen apokalyptisch gedeutet werden. „Megiddo“ erzählt die Geschichte von Stone Alexander (Michael York), der seit seiner Kindheit unter dem Einfluss dunkler Mächte steht und als Machtpolitiker schließlich zum Anführer einer globalen Einheitsregierung aufsteigt. Ihm stellt sich ausgerechnet sein Bruder David (Michael Biehn) entgegen, mittlerweile Präsident der Vereinigten Staaten, und er gerät in einen globalen Konflikt, der die politischen Machtkämpfe zunehmend in eine biblische Endzeitschlacht münden lässt.
Make no mistake: Dieser vermeintliche Unterhaltungsfilm hat eine klare Agenda. In Produktion gegeben von TBS (Trinity Broadcast Network), dem weltweit größten Rundfunknetz für christliches Fernsehen, und umgesetzt von deren Filmstudio „Gener8Xion Entertainment“, wurde – beflügelt durch den nationalen Erfolg des Vorgängerfilms „The Omega Code“ – eine deutlich teurere Neuinterpretation des Offenbarungsmythos gewagt. Das Ergebnis ist ein astreiner Propagandafilm, der die moralische Überlegenheit der USA in dreistester, fast schon unverschämter Weise in einer absurd vereinfachten geopolitischen Alternativrealität auslebt, in der sie sich als letzte Bastion freiheitlich-demokratischer Deutungshoheit im Kampf gegen ein zunehmend dem Teufel verfallendes Europa wiederfinden – die Ironie zur realpolitischen Lage im Jahr 2026 könnte kaum größer sein.
Aus genau dieser ideologischen Hybris und dem unhinterfragten Selbstverständnis christlicher Mythologie bezieht der Film letztlich auch seinen eigentlichen, unbeabsichtigten Unterhaltungswert: als ebenso befremdliches wie faszinierendes Kuriosum zwischen Predigt und Blockbuster-Fantasie.