Big Snuff

Filme
Datum: Donnerstag, 24. Oktober 2019 21:15

Eintritt:
6 Euro

Big Snuff

OT: Snuff, Argentinien/USA 1976, 80 Min, deutsche Fassung, 35mm, R.: Michael Findlay, Roberta Findlay, Simon Nuchtern, D.: Tina Austin, Brain Cary

Einer der größten Skandale der Filmgeschichte!

Der Hintergrund: Mitte der 70er tauchten in den Medien erstmals Gerüchte um sogenannte "snuff movies" (snuff: zu deutsch "abkratzen") auf. Dabei soll es sich um vornehmlich in Südamerika gedrehte Filme handeln, in denen vor der Kamera reale Morde verübt werden. Angeblich werden sie dann in den USA und anderorts zu horrenden Eintrittsgeldern illegal vorgeführt. Es handelt sich hier um nicht mehr als eine "urban legend". Doch der Mythos "snuff" lebt bis heute und wurde auch immer wieder in Großproduktionen wie „Hardcore“ von Paul Schrader oder "8 mm" von Jole Schumacher aufgegriffen.

„Snuff“ nahm sich des Themas schon 1976 an. Das findige, auf Exploitation-Streifen spezialisierte Produzenten-Ehepaar Roberta und Michael Findlay drehte zunächst 1971 in Argentinien den Horrorstreifen "The Slaughter". Er handelt von einer stark an die Charles-Manson-Sekte angelehnte Hippie-Bande, die einige brutale Morde verübt. Mitte der 70er kam die Manson-Family wegen des versuchten Anschlags eines Ex-Mitglieds auf US-Präsident Gerald Ford wieder in die Schlagzeilen: Man kam auf die Idee, den Billigstreifen nun in die US-Kinos zu bringen, aber mit einer neuen Endsequenz zu versehen: Darin wird die Darstellerin – freilich eine ganz andere Frau, als zuvor im Film zu sehen war – vom Filmteam – angeblich real! – bestialisch ermordet. Die natürlich gestellte Szene wurde von einem anderen Regisseur, Simon Nuchtern, gedreht und ist auf wesentlich höherem handwerklichen Niveau inszeniert als der restliche Film. Dies trug dazu bei, dass sie von vielen entsetzten Zuschauern für authentisch gehalten wurde. Ebenso die reißerische Werbung: "The film that could only be made in South America where life is cheap!", posaunte der US-Verleih. Der deutsche Verleih des Sexproduzenten Alois Brummer behauptete, dass der Film "in allen Staaten der USA vom FBI gejagt" werde. "Snuff" wurde dann auch ein Riesen-Skandal. Der Oberbürgermeister von New York sah sich genötigt, eine Pressekonferenz mit dem quicklebendigen "Snuff-Opfer" einzuberufen, Brummer musste sich in Deutschland wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Der Schocker wurde natürlich auch in vielen Ländern Opfer von Zensur, nach einem reißerischen "Bild"-Artikel ließ sich die deutsche Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht lumpen. Der Einziehungs-Beschluss ist allerdings mittlerweile verjährt.

Aus heutiger Sicht ist
"Snuff" vor allem ein interessantes Lehrstück in Sachen Publikumsmanipulation – und ein äußerst dunkles Stück Filmgeschichte. Wir zeigen die ungeschnittene Fassung, das unzensierte Ende wird digital zugespielt.

Charles-Manson-Special

Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ brachte den berüchtigten 2017 verstorbenen Sektenführer Charles Manson wieder ins Gespräch. Er befahl seiner „Family“ – einer Art Hippie-Kommune, die allerdings wenig mit „love & peace“ zu schaffen hatte - 1969 grausame Morde. Unter den Opfern war die hochschwangere, mit Roman Polanski verheiratete Schauspielerin Sharon Tate. Für viele markierte die brutalen Tötungen das blutige Ende der friedlichen Hippie-Ideale, „Summer of Hate“ nannte sich dann auch ein Hörspiel von Jörg Buttgereit.

Manson wurde als fragwürdige Kultfigur, als Symbol des Bösen, schnell Teil der Popkultur. Schon lange vor
„Once Upon a Time in Hollywood“ nahmen sich viele Filme des Themas an, in unterschiedlicher Form und auf unterschiedlichem Niveau. Wir zeigen drei Beispiele.

 

 

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