Unter den Augen des Mörders

Filme
Datum: Samstag, 24. November 2018 21:15

Eintritt:
6 Euro

Unter den Augen des Mörders
(Sotto gli occhi dell'assassino)
Italien 1982 | 96 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Dario Argento
Darsteller: Anthony Franciosa, Christian Borromeo, Mirella D'Angelo, John Steiner, Lara Wendel, John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Luciano Tovoli
Musik: Simonetti-Morante-Pignatelli

In Rom will der Autor Peter Neal sein neues Buch vorstellen. Sein Besuch wird jedoch von einem grausamen Mord überschattet. Das Opfer, eine junge Frau, wird mit durchtrennter Kehle und zerknüllten Seiten von Neals Roman im Mund gefunden. Die Polizei sucht nach einem Zusammenhang mit dem beliebten Autor, dieser hält das Ganze noch für einen Zufall. Doch als es zu neuen Opfern kommt und er selbst in den Fokus des irren Killers rückt, ändert sich seine Einstellung. Zusammen mit seiner Assistentin versucht er, dem tödlichen Treiben auf die Spur zu kommen und gerät dabei sehr schnell selbst in erhebliche Gefahr.

Nachdem sich Dario Argento in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre von seinen gialloesken Wurzeln löste und mit „Suspiria“ und „Inferno“ auf den Pfaden des Horrorkinos wandelte, erwartete das Kinopublikum von „Unter den Augen des Mörders“ eigentlich den Abschluss der „Mütter-Trilogie“. Doch diese Erwartungshaltung wurde von einem kräftigen Axthieb niedergeschmettert, denn an die Stelle von Hexenkult und Gothic Horror traten die Ingredienzien eines Giallo-Thrillers. Einhergehend wich die antinaturalistische Farbgebung, die einen großen Anteil der gigantischen Atmosphäre (die „Suspiria“ und „Inferno“ transportieren) ausmacht, einer High-Key-Fotografie, welche die Farbe Weiß mit einer Allgegenwärtigkeit ausstattet, die die restliche Farbpalette nach allen Regeln der Filmkunst dominiert.

Trotz der enormen Divergenzen ließ es sich Argento nicht nehmen, „Unter den Augen des Mörders“ mit einigen Verweisen (New York, Rom, Buch, Feuer etc.) in Richtung „Inferno“ auszustatten. Diese Momente lassen sich als geschickte Täuschungsmanöver entschlüsseln, welche die Betrachter auf manch falsche Fährte locken. Denn die angeblichen Spuren zur „Mütter-Trilogie“ verirren sich in einer Sackgasse, an dessen Ende ein Spiegel installiert ist, der dem Publikum seine Manipulierbarkeit entlarvend vor Augen führt. Der Zuschauer erliegt einer Fremdbestimmung, die ihn obendrein durch ein Rom leitet, welches die Präsentation antiker Bauwerke gänzlich ausklammert, sodass er inmitten von futuristisch wirkender Architektur wandelt. Eskortiert von einer extremen Helligkeit, die als gleichberechtigter Partner der Farbe Weiß agiert und den Betrachter zu der Frage bewegt, warum ein derart Licht-geflutetes Filmwerk ausgerechnet auf den Namen „Unter den Augen des Mörders“ getauft wurde?

Wer nun dem unerträglichen Drang erliegt, dieses Rätsel dechiffrieren zu müssen, der sollte vorweg die Logik an der Kleidergarderobe ablegen! Also genießt Dario Argentos audiovisuelles Glanzstück, und freut euch auf den finalen Moment, in dem der Mörder wie ein Schachtelteufel aus der Box springt, denn wer kann schon von sich behaupten, dem „Tenebre-Killer“ innerhalb eines 35mm-Lichtspiels begegnet zu sein?

Frank Faltin




 

 

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