Das unheimliche Auge

Filme
Datum: Freitag, 23. November 2018 23:15

Eintritt:
6 Euro

Das unheimliche Auge
(Le foto di Gioia)
Italien 1987 | 93 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Lamberto Bava
Darsteller: Serena Grandi, Daria Nicolodi, Vanni Corbellini, David Brandon, George Eastman, Sabrina Salerno, Capucine
Drehbuch: Luciano Martino, Gianfranco Clerici, Daniele Stroppa
Kamera: Gianlorenzo Battaglia
Musik: Simon Boswell

Ein Jahr nach dem Unfalltod ihres Mannes kehrt Gioia (deutsche und englische Fassung: Gloria) zurück zu dem Magazin das sie leitet: Pussycat, ein Hochglanzblatt für nackte und erotische Tatsachen. Alles ist wie gehabt: Die Damen planschen nackt im Pool, der schwule Fotograf porträtiert ihre Vorzüge und die Konkurrentin Flora versucht möglichst aggressiv das Magazin aufzukaufen. Das heißt, so ganz ist nicht alles beim alten, denn es geht ein Mörder um der die besten Models grausam tötet. Gioia hat schnell die Vermutung, dass sie das eigentliche Ziel der Mordserie ist, mögliche Täter mit möglichen Motiven gibt es in ihrer Umgebung mehr als genug und der Mörder metzelt sich mit beängstigender Geschwindigkeit näher… (Der Maulwurf)

Bevor Lamberto Bava sich künftig vermehrt italienischen TV-Produktionen annahm, ließ er 1987 vorerst letztmalig einen vermummten Schlitzer im Kinoformat von der Leine, der es auf die Damenwelt im freizügigeren Modebusiness abgesehen hat. Parallelen zu »6 donne per l'assassino« (Blutige Seide, 1964), dem Klassiker italienischer Thrillerkunst, sowie zentrales Schlüsselwerk in der Filmografie seines Vaters Mario, sind daher nicht von der Hand zu weisen und man kann »Le foto di Gioia« durchaus als eine schrille Verbeugung vor dem Meilenstein deuten. Die 80er Jahre hinterlassen dabei markant ihre Spuren, was sich in dröhnender Rockmusik, bunten Outfits und einer erotischen Note bestätigt. Dazu würzt Bava sein seifenoperhaftes Whodunit mit zahlreichen fantastischen Elementen, verneigt sich ebenfalls vor Hitchcock & De Palma, stellt sicher, dass Serena Grandis Oberweite der eigentliche Star des Films ist und bedient sämtliche Achtzigerjahre-Klischees gekonnt, ohne dabei den Kitsch allzu unattraktiv wirken zu lassen. Die wahren Stärken von „Le foto di Gioia“ kommen allerdings zum Vorschein, wenn der Mörder in Aktion tritt. Dann verändert das Bild seine Farbe durch grelle Filter, die Musik peitscht die Dramatik laut voran, die Optik verschmilzt zu einem halluzinogenen Trip und macht dem internationalen Alternativtitel damit alle Ehre. Der Streifen ist bestimmt nicht Lamberto Bavas bester Film und von den Speerspitzen des Genres sicherlich weit entfernt, dennoch hebt sich dieser Beitrag dank vieler origineller Einfälle vom gelben Einheitsbrei ab und unterhält auf seine eigene Weise ungemein.

Tobias Reitmann

 

 

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