Die 120 Tage von Sodom

03 DIE_120_TAGE_VON_SODOM
Freitag, 23. Oktober 2026 21:15
                                           Einzelticket: 6 Euro                           

Die 120 Tage von Sodom

(Salò o le 120 giornate di Sodoma )

Italien, Frankreich 1975 | ca. 116 Min. | deutsche Fassung | 35mm [1.66:1]

Regie: Pier Paolo Pasolini

Musik: Arnaldo Graziosi, Ennio Morricone

Kamera: Tonino Delli Colli

Drehbuch: Sergio Citti, Pier Paolo Pasolini, Pupi Avati

Darsteller: Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Aldo Valletti, Caterina Boratto, Elsa De Giorgi

„This movie is not shocking. It’s worse!“

(Catherine Breillat)

Wie funktioniert eigentlich Faschismus? Dann, wenn man ihn seines glitzernden Führerkults und der durchchoreographierten Aufmärsche, der verführerischen Worte und des kernigen Getöses entkleidet hat, was bleibt dann noch übrig? Die Antwort lautet Gewalt. Grauenhafte, menschenverachtende, zerstörende Gewalt. Die Art Gewalt, die urplötzlich auf einen Menschen einstürzt, die ihn überwältigt, entmenschlicht, und bricht. Ihn vernichtet. Da ist die permanente Überwachung. Das Bestimmen der Sexualpartner. Die vom Herrschenden festgelegte und dabei für alle Beherrschten gültige Definition von Gut und Böse. Die systemische Erniedrigung des Menschen an sich und die Implementierung der Dehumanisierung als staatstragendes Prinzip.

Und nichts anderes ist es, was Die 120 Tage von Sodom zeigt: Was Gewaltherrschaft im Allgemeinen und Faschismus im Besonderen auszeichnet und als unitäres Momentum in sich trägt. Und Pier Paolo Pasolini, Homosexueller und überzeugter Kommunist, und damit per Definition das erklärte Feindbild eines jeden Faschisten, zeigt uns in diesem Film das ungeschönte Bild des Faschismus. Dabei benutzt er dessen eigene Mittel, um das Wesen dieser Herrschaftsform in seiner ganzen, grauenerregenden Direktheit darzustellen. Es gibt keine Hauptdarsteller oder gar Identifikationsfiguren, was die Uniformität des Systems aufzeigt. Die Opfer sind eine mehr oder weniger gesichtslose Masse, die nur durch ihre Qualen differenziert werden können. Die Antagonisten tragen zwar Namen und sind auch durchaus unterschiedlich charakterisiert, treten aber im Wesentlichen als Block auf, als Einheit, die von den Opfern bedingungslosen Gehorsam fordert, während die Kamera mitleidlos und wie ein unbeteiligter Chronist einen Akt des Terrors nach dem anderen dokumentiert. Und das eigene Ende vor Augen opfert das Regime schlussendlich alle ihm folgenden Menschen in einem Taumel zerstörerischer und unmenschlicher Gewalt.

Letzten Endes wird das Ziel der Herrschaftsform Faschismus mit aller Rohheit vor dem Zuschauer ausgebreitet. Es geht um die Auslöschung des Individuums genauso wie um das Ausmerzen zivilisatorischer Errungenschaften. Nur das Ausüben von bedingungsloser Macht unter Einhaltung möglichst effektiven Terrors ist wichtig. Dies, und die Steigerung des persönlichen (Lust-)Gewinns für die Führer.

Genauso wie der Faschismus ist Die 120 Tage von Sodom ein kontroverses, ekelerregendes und widerliches Vermächtnis. Ein Film, der auch heute, nach Cannibal Holocaust und Hostel, nach Inside und High Tension, immer noch zutiefst polarisiert. Einmal im Leben sollte man ihn als Filmfan gesehen haben. Einmal zumindest…

Maulwurf

 
 

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