CHAMACO
KILLER KID
ITA 1967 – DF – 88 Min. – 35mm – CS
Regie Leopoldo Savona
Buch Sergio Garrone, Ottavio Poggi, Leopoldo Savona
Kamera Sandro Mancuso
Musik Berto Pisano
Mit Anthony Steffen, Luisa Baratto, Fernando Sancho, Giovanni Cianfriglia, Nelson Rubien
„Ausgerechnet ihr ärmlichen Hungerleider wollt die Welt verbessern?“ Der das sagt ist ein Offizier der mexikanischen Federales, der anschließend die Peones, die Tagelöhner und armen Bauern, von seinen Männern gnadenlos zusammenschießen lässt. Ein fulminanter Beginn, ein knallharter Revolutionswestern wie es scheint, mit Fernando Sancho als Revolutionär Vilar, der am Waffenschmuggel aus den USA beteiligt ist und das damit verdiente Geld gerne in seine eigene Tasche stecken möchte, und mit Anthony Steffen als entflohenem Todeszellensträfling Chamaco, der in den Waffenschmuggel und damit auch in die Revolution hineingerät.
Doch es ist nicht alles Gold was glänzt: Chamaco entpuppt sich als Agent der amerikanischen Regierung, der den Waffenschmuggel nach Mexiko unterbinden soll, koste es, was es wolle. Zwar verliebt sich Chamaco in die Nichte des Anführers El Santo, und zwar lernt Chamaco, dass das, was die mexikanischen Armeebefehlshaber mit dem Volk machen wahrlich revolutionswürdig ist, aber letzten Endes dient dann doch alles nur als bunter Hintergrund für eine knallige Westerngeschichte. Chamaco schleicht sich in die Revolution ein und kann Vilar geschickt aus der kleinen Gruppe entfernen. Doch amerikanische Schurken, die eigentlichen Hintermänner des Schmuggels, kennen die wahre Identität Chamacos und lassen ihn auflaufen. Alle gegen alle: Vilar gegen seine früheren Kumpane, die Revolutionäre gegen die Armee, die Schmuggler gegen Chamaco, und Chamaco gegen den Rest der Welt.
Als reiner Western geht »Chamaco« durchaus in Ordnung. Regisseur Leopoldo Savona scheint zwar nicht allzu großen Wert auf Dinge wie Continuity oder einen vernünftigen Schnitt zu legen, auch sitzt sein Bildausschnitt gerne einmal 30 cm zu tief. Dafür aber ist die Luft in Mexiko ausgesprochen bleihaltig. Das Showdown in einer Kiesgrube krankt zwar an einem gewissen künstlich-angestrengten Winnetou-Flair, macht aber durchaus Laune. Auch wird ständig etwas geboten, es kommt keine Sekunde Langeweile auf, und da lässt sich das technische Unverständnis des Signore Savona gerne mal hintanstellen. Zwar muss Anthony Steffen in späteren Filmen mehr leiden, Fernando Sancho ist in früheren Filmen komischer, und Luisa Baratto hat eine sehr begrenzte Filmographie (analog zu ihren schauspielerischen Fähigkeiten), doch insgesamt gesehen passt der Unterhaltungswert einfach.
Kein großer Western aus der ersten Reihe, eher ein ordentliches Stück Handwerk aus der zweiten Reihe, gewürzt mit einigen technischen Merkwürdigkeiten. Aber man muss ja nicht jeden Film auf die Goldwaage legen - wer weiß, was dann auf der anderen Waagschale liegt…
Maulwurf