Immortal

immortal
Freitag, 7. Juni 2024 21:15
                                           Eintritt: 6 Euro                           

Zur Ausstellung „Das war Schwermetall“

Immortal

Originaltitel: Immortel, ad vitam, Frankreich 2004, 103 Min., digital, deutsche Fassung, Regie: Enki Bilal, Darsteller: Linda Hardy, Thomas Kretschmann, Charlotte Rampling

„Ästhetisch brachte die Comic-Revolution eine Befreiung von herkömmlichen Erzähl- und Kompositionsformen, ökonomisch war sie verbunden mit der Gründung neuer Magazine und Verlage durch die Künstler selbst, und politisch entstand eine lockere Verbindung mit der Gegenkultur. „Die Welt ist so, wie wir sie zeichnen“, erklärte selbstbewusst einer der Vertreter der neuen Schule, Philippe Druillet, und die Welt war sexy, psychedelisch, morbid und futuristisch. Druillets Statement aus dem Jahr 1976 bezeichnet überdies sehr deutlich, was damals noch den Comics einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Film gab: Alles, was man im Kopf hat, kann man auch aufs Papier bringen. Das Kino muss immer erst eine technische Umsetzung finden.

Mit dem Siegeszug des Computer Aided Design wurde die Kluft zwischen den Möglichkeiten des Kinos und denen des Comics geringer. Eine Reihe von Vertretern der „Nouvelle Vague“ der französischen Comics drängte es ohnehin zum Film: Moebius alias Jean Giraud schaffte es bis nach Hollywood, Jacques Tardi arbeitete für Federico Fellini, Georges Lauzier übertrug seine Gestalt des „P’tit“ Con selbst in einen Realfilm. Umgekehrt übernahmen die Zeichner aber auch immer mehr filmische Motive und Techniken – und sogar die Stars. Enki Bilal etwa verlieh in seiner ehrgeizigen Science Fiction-Comic-Trilogie um „Alexander Nikopol im 21. Jahrhundert“ seinem melancholischen Helden die Züge von Bruno Ganz. Bilal fand in „La foire aux immortels“ (Die Geschäfte der Unsterblichen, 1980) und „La Femme-piege“ (Die Frau in der Zukunft, 1986) einen neuen, ganz eigenen Ton zwischen Phantastik und Detailrealismus. Es war der perfekte Ausdruck der abgekühlten achtziger Jahre, Aufbruch und Hoffnung war dahin, Kälte zieht durch Räume, Farben und Biographien.

Die Geschichte spielt in einer zerrütteten nahen Zukunft, in einem faschistoiden Paris, das in zwei Zonen geteilt ist. In der einen wohnen die privilegierten Reichen, in der anderen die Überflüssigen und Abgehalfterten; im zweiten Band bietet ein ähnlich desolates London den Hintergrund. Es ist wie nach einem Krieg mit unklaren Fronten – für Bilal eine biografische Reminiszenz. Er wuchs in Jugoslawien auf, bevor er seinem Vater ins französische Exil folgte, und die Bilder des vom Krieg traumatisierten Landes brannten sich ihm ein und liegen, wie er selbst sagt, stets hinter den futuristischen Stadtansichten seiner Comics.

(…) Ins Schwarz hinein und aus dem Schwarz heraus ist „Immortal“ erzählt. Die Traumbilder verdecken nicht die Menschen, sie sind die Folie für die Suche nach ihnen. Ob Bilals Film-Comic gelungen ist oder nicht, ob er hier und da nicht doch ein paar Kompromisse zu viel gemacht hat für einen Weltmarkt des Phantastischen und ob er dafür nicht zu viel von seinen politischen Konnotationen geopfert hat – ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Aber ein Augen- und Kopf-Abenteuer ist es allemal.“ (Georg Seeßlen, epd Film)

 

Zur Ausstellung „Das war Schwermetall“

Vom 25.5. bis 16.6. (Di bis So von 10 bis18 Uhr, Vernissage: 24.5., 19 Uhr).ist im Künstlerhaus die Ausstellung „Das war Schwermetall“ über das legendäre Erwachsenencomic-Magazin (Original: „Métal hurlant“, USA: „Heavy Metal“) zu sehen. Aus diesem Anlass zeigt das KommKino sieben Filme: die beiden lange nicht mehr im Kino zu sehenden offiziellen „Heavy Metal“-Filme und fünf Werke, die den Geist des Magazins verströmen, indem sie Comics/Animation für Erwachsene thematisieren bzw. mit Unterstützung von Künstlern des Magazins entstanden sind.

 
 

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