Draculas Tochter und Professor Satanas

Mexiko 1968, 80 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: René Cardona, Darsteller: Maura Monti, Roberto Cañeda, Héctor Godoy

Mad Scientist Dr. Williams lebt auf der Yacht Reptilicus und will zusammen mit seinem Assistenten Igor einen Supermutanten, halb Wrestler, halb Fisch, züchten. Zeit für Batwoman, die in ihrem bürgerlichen Leben auch als Wrestlerin arbeitet, ihr Batwoman-Cape ab- und ihren knappen Superheldenbikini anzulegen, um für Recht und Ordnung zu sorgen!

Der überaus turbulente Film orientiert sich an der Sixties-Batmanserie und ist – neben des Verzichts auf Selbstironie - in erster Linie von ihr darin zu unterscheiden, dass Adam West keinen Bikini trägt. Die für mexikanische Superheldenfilme typischen Wrestlingszenen sind – je nach Sichtweise – glücklicher- oder bedauerlicherweise auf ein Minimum reduziert. Dafür bleibt mehr Zeit, auf Maura Montis Darstellerleistungen ein Auge zu werfen, und die Küste Acapulcos, wo der Film gedreht wurde, zu genießen.

„Es gibt (…) viel Bestaunenswürdiges zu entdecken und immer wieder frage ich mich bei solchen Filmen, was damals anders war, dass erwachsene Männer sich solch einen schreienden Unsinn ausdenken und ihrem Publikum mit ernstem Pokerface vorsetzen konnten. Das Tolle an „LA MUJER MURCIELAGO“, das, was ihn von den kläglichen heutigen Versuchen, Grindhouse- und „Trash“-Filme zu machen, abhebt, ist die Abwesenheit jeder distanzierenden oder zur Absicherung dienenden Ironie. Wenn ich irgendwo läse, René Cardona sr. habe Zeit seines Lebens unter der Wahnvorstellung gelitten, die Welt könnte von Fischmenschen überrannt werden, und davon geträumt, nur Batwoman könne das verhindern, es würde mich nach diesem Film nicht wundern.“ (Oliver Nöding, Remember It for Later)

 

Why Don’t You Just Die!

OT: Papa, sdokhni!, Russland 2018, 95 Min, Original mit deutschen Untertiteln & deutsche Fassung, digital, Regie: Kirill Sokolov, Darsteller: Aleksandr Kuznetsov, Vitaliy Khaev, Evgeniya Kregzhde, Michael Gor

„Der Schweiß steht ihm auf der Stirn, sein Blick ist entschlossen und die Fingerknöchel knacken beim festen Griff um den Hammer. Matveys Plan steht fest: Sobald Andrei die Tür seiner Wohnung öffnet, wird das Schwein sterben! Entschlossen drückt er die Klingel. Was folgt, ist eine wilde Tour de Force der Gewaltsamkeiten. Wenn die beiden Männer mit unbarmherziger Härte aufeinander losgehen, bleibt kein Möbelstück unzertrümmert, kein Knochen ungebrochen und keine Blutfontäne unverspritzt! Wie viel können sich zwei entschlossene Männer in 90 Filmminuten gegenseitig antun? So einiges. Als noch weitere Figuren in dem bereits halbzerlegten Apartment auftauchen, muss Andrei erkennen, dass er es sich nicht nur mit Matvey verscherzt hat.
Schön schwarzhumorig im Erzählton sprengt „Why Don’t You Just Die!“ genüsslich alle Grenzen des guten Geschmacks. Mit originellen Inszenierungsideen holen Regisseur Kirill Sokolov und sein Kameramann alles aus ihrem begrenzten Setting heraus und liefern eine bitterböse Farce im Geiste des Slapsticks.“ (FantasyFilmFest)

Do., 16.01. (dF), Mi., 22.01. (OmdU) und Fr., 24.01. (dF) jeweils um 21.15 Uhr

 

Der Fluch – The Grudge 2

USA 2006, 102 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Takashi Shimzu, Darsteller Sarah Michele Geller, Amber Tamblyn, Edison Chen

Zwei Jahre nach „The Grudge“ brachte Regisseur Takashi Shimzu seine Fortsetzung zum amerikanischen Remake in die Kinos. Diesmal keine Neuverfilmung des japanischen Originals, sondern eine eigenständige Fortsetzung, die sich noch stärker an westliche Sehgewohnheiten anpasst und den Schrecken diesmal nicht nur in Japan, sondern auch in den USA stattfinden lässt.

Nachdem Karen im ersten Teil versucht hat, das verfluchte Haus niederzubrennen, liegt sie im Krankenhaus. Ihre Schwester Aubrey reist nach Japan, um sie heimzuholen. Gemeinsam mit dem Journalisten Eason versucht sie herauszufinden, was in dem unheimlichen Gebäude vor sich geht und schon bald wird auch sie von dem Fluch heimgesucht. Parallel dazu gibt es reihentypisch noch zwei weitere Episoden. Die eine handelt von drei Schülerinnen, die für eine Mutprobe das verlassene Haus betreten, was sich natürlich als schwerer Fehler erweist.

Wie schon Teil eins ist auch die Fortsetzung eine verschachtelt erzählte Geistergeschichte, vollgepackt mit übernatürlichem Schrecken und jeder Menge Schockeffekten. Der Fluch ist nicht besiegt, wieder gibt es das charakteristische Knacken zu hören und blasse Gestalten mit schwarzem Haar sind immer noch unheimlich.

 

Dennis Nyback zu Gast im KommKino

Dennis Nyback ist Historiker, Psychologe, Musicalregisseur und Filmarchivar von etwa 13000 16mm- und 35mm-Filmen, aus welchen er etwa 300 Filmprogramme schuf.

Diese Programme sind überaus unterhaltsam, da sie sich aus vielfältigen Genres zusammensetzen: frühe Jazz-Filme, Scopitones, Tanzfilme, Animationsstreifen, Baseballfilme, pädagogische Filme, Lehrfilme, Werbungen, Wochenschauen, Stummfilme, alte TV-Shows, Heimvideos, Propagandastreifen, SF, aufregende Kurzfilme, vergessene und verbotene Filme.

Sie werden besonders oft im Rahmen von Sonderveranstaltungen in Europa und den USA gezeigt. In den USA unterhält er mehrere Kinos, unter anderem in Seattle, New York und Portland, Oregon. In letzterem zeigt er seine Filme monatlich im Hollywood Theatre.

Nutzt die seltene Chance: Dennis Nyback wird an diesem Abend persönlich im KommKino zu Gast sein. Er präsentiert das Programm "Sex, Jazz and War", eine Sammlung seltener und provokanter Zeichentrick-Kurzfilme aus den 30er und 40er Jahren im original-analogen 16mm-Kinoformat.

Dead Ringers – Die Unzertrennlichen

Kanada/USA 1988, 115 Min., Originalversion, 35mm, R.: David Cronenberg, D.: Jeremy Irons, Geneviève Bujold, Heidi von Palleske

Die eineiigen Zwillinge Beverly und Elliot sind auf vielen Ebenen „unzertrennlich“: Sie arbeiten beide als Gynäkologen, teilen sich eine Wohnung und ab und zu sogar dieselbe Frau. Doch dieses Gleichgewicht ist äußerst fragil. Die divenhafte Claire, mit der Beverly ein Verhältnis beginnt, fördert alles Ungesagte und Verdrängte zutage und ruiniert damit nicht nur den „Zwillingsmythos“.

Die fiktionalen, im Drogenrausch ersonnenen gynäkologischen Instrumente und die roten statt weißen Ärztekittel im OP-Saal gehören zu den bekanntesten Bildern des Films. An allzu Vordergründigem ist Regisseur Cronenberg aber nicht interessiert. Vielmehr gelingt es ihm in diesem Kammerspiel, einen leisen, langsam heranschleichenden Horror zu inszenieren. Bemerkenswert ist natürlich auch die schauspielerische Leistung von Jeremy Irons, der die beiden Zwillingsbrüder spielt. 1975 soll sich ein solcher Fall von „Gynos become psychos“ tatsächlich in New York City zugetragen haben.

 

Das Geistergesicht der roten Dschunke

Originaltitel: Pandji Tengkorak, Indonesien/Taiwan 1972, 77 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: A. Harris/Yang Shih-Ching, Darsteller: Deddy Sutomo, Polly Shang-Kuan Ling-Feng, Lenny Marlina

Der Vater einer Prinzessin wird von „Ghostly Face“, einem geheimnisvollen Kämpfer mit einer gruseligen Maske, brutal ermordet. Seltsam. Denn „Ghostly Face“ ist eigentlich ein Guter, eine Art Robin-Hood-Typ, der nun so gar nicht für hinterlistige Tötungen berüchtigt wäre. Unsere Heldin deckt schließlich die wahren Hintergründe auf und startet einen blutgetränkten Rachefeldzug.

Ein seltenes und nicht nur unter Eastern-Fans sehr beliebtes und durchaus hartes Werk, das zur Abwechslung aus Indonesien stammt und eine eigene Note aufweist. Auf Video und DVD nur in sehr fragwürdigen, qualitativ schlechten Fassungen erschienen.

„Eine Aneinanderreihung von Kampfszenen mit teils genüsslich ausgemalten Grausamkeiten.“ (katholischer Filmdienst) „Ungewöhnlich bunt-bizarres, auf Bali gedrehtes Werk (…), das durch seine unschuldig-märchenhafte Inszenierung, pausenlose temporeiche Actionszenen und einen fetzigen Soundtrack mehr als überrascht. Einer der ungewöhnlichsten Eastern dieser Zeit.“ (Leo Moser, Eastern-Lexikon)

 

Best of Genrenale Vol. 1

Die Genrenale ist das erste Festival, das exklusiv dem deutschen Genrefilm gewidmet ist. Sei es Action, Science-Fiction, Fantasy, Horror, Thriller, Film Noir oder Mystery – alle Genrearten, die sowohl im deutschen Fernsehen als auch im Kinofilm zu kurz kommen oder schlicht nicht stattfinden, sind ausdrücklich erwünscht und willkommen.
Zusammen mit der Genrenale zeigen wir euch eine Auswahl der besten deutschen Genrefilme der letzten Jahre.
Stellt euch auf „100% German Genre Cinema“ ein.

Die 9 Kurzfilme:

LASERPOPE
Ostern 2016. Vatikan. Die Welt ist schockiert: Der junge, revolutionäre Papst Alejandro ist durch ein hinterhältiges Attentat in den Tod gerissen worden. Doch ein geheimes Militärprojekt scheint die Erlösung zu bringen: Wiederauferstanden als Laser Pope nimmt Alejandro Rache an seinen Feinden, bekämpft radikale Terroristen, korrumpierte Kardinäle, den Antichristen höchstselbst, tritt für die Homo-Ehe ein und rettet die Prinzessin.
Halb Papst, halb Maschine: Laserpope!
Regie: Lukas Rinker

SELFIE FROM HELL
Die junge Frau will ihrem Freund eigentlich nur ein Selfie schicken, als etwas höchst Abnormes passiert…
Schnitt/Kamera/Drehbuch/Regie: Erdal Ceylan

DIE RANDGRUPPE
Ein beliebter Platz für den Freitod ist das Hochhausdach. Dort trifft eine Gruppe Lebensmüder aufeinander, die nur eines eint – der finale Sprung! Doch das erweist sich schwieriger als gedacht. Reihenfolge, Absprungmöglichkeiten und der letzte Wille jedes Einzelnen erzeugen eine kuriose Situation, die absurder nicht sein könnte. Aber wie sagt man so schön: Runter kommen sie alle.
Produktion/Drehbuch/Regie: Julius Grimm

WHEN DEMONS DIE
Der 8-jährige Joshua (Jonathan Ohlrogge) hat noch nie das Haus verlassen, da gefährliche Kreaturen vor dem abgelegenen Farmhaus lauern – die Gor- gen. Aber als sein Vater Aaron (Crispian Belfrage) verschwindet, muss er nach draußen gehen. Eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern wird, denn etwas kommt schnell näher!
Drehbuch/Regie: Daniel Rübesam

COUP DE GRâCE
Ein ruhiger Bergsee – Ein gefesselter Mann auf dem Weg in sein kühles Grab. Sein Wunsch nach einem Gnadenschuss bringt die Situation zum Eskalieren.
Regie: Pascal Glatz

CAN’T TAKE MY EYES OFF YOU
Eine mondäne Villa am Rande einer großen Stadt. Die Tür zur Terrasse steht offen. Anne wundert sich; sie kann sich nicht erinnern die Tür geöffnet zu haben und Tochter Lisa ist noch unterwegs. Als Lisa nach Hause kommt und von ihrer Mutter erfährt, dass der Vater das gemeinsame Wochenende abgesagt hat, kommt es wie immer zum Streit zwischen den Beiden.
Der trotzige Teenager schließt sich im Badezimmer ein. Dort steht mit Lippenstift auf den Spiegel geschrieben: „Papa hasst dich!“ Für Lisa ist die Sache klar! Ihre alkoholisierte Mutter will mit dieser Nachricht nur wieder einen Keil zwischen sie und ihren Vater treiben. Doch Anne ereilt plötzlich eine schreckliche Gewissheit – sie ist mit ihrer Tochter nicht allein im Haus.
Regie: Nik Sentenza & Johannes Kizler

DIE BESONDEREN FÄHIGKEITEN DES HERRN MAHLER
DDR, 1987: Dem Sonderermittler Mahler werden übersinnliche Fähigkeiten nachgesagt. Die Volkspolizei beauftragt ihn, den Fall des seit Wochen verschwundenen, 6-jährigen Henry Kiefer zu klären, bevor diese Angelegenheit zu politischen Spannungen mit dem Westen führt. Doch dann bringt er etwas ans Licht, das diese Familientragödie erst recht politisch werden lässt …
Regie: Paul Philipp

GHOSTBLEEDER
Ein Mädchen, ihr Nasenbluten & der Auftrag zum Töten.
Drehbuch/Regie: Niklas Coskan

2 ALIENS – VIER FÄUSTE GEGEN TERROR STATION
„Vier Fäuste gegen Terror Station“ ist eine Episode der Serie „2 Aliens“ um die Abenteuer der beiden Außerirdischen Quiqueck & Hämat, die mit ihrer fliegenden Untertasse auf dem Weg zu ihrem Heimatplaneten sind und in die unterschiedlichsten verrückten Situationen geraten. Auf dem Weg zu ihrem Heimatplaneten verschlägt es sie in ein verlassenes interstellares Museum, in dem offensichtlich Monster ihr Unwesen treiben! Doch der Terror ist tatsächlich noch viel schlimmer!
Regie: Thomas Zeug
(cinemaobscure.blogspot.com/)

Terror über den Wolken

Originaltitel: This Is a Hijack, USA 1973, 91 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Barry Pollack, Darsteller: Adam Roarke, Lynn Borden, John Alderman

„Durch einen Überfall auf ein Privatflugzeug will ein junger Mann mit Hilfe dreier Gangster eine Millionen Dollar erpressen, stellt sich schließlich aber gegen die Gangster. Actionfilm mit einiger Spannung und bedenklicher Schlußmoral.“ (Filme 1971-76)

Ein fast völlig in Vergessenheit geratener, äußerst rarer B-Film, der bislang offenbar weltweit nicht digital erschien. Durchaus packend inszeniert, überrascht der Streifen mit exzentrischen Charakteren und pechschwarzem Humor.

 

Filme

Hentai-Nacht

Manchmal ist eine Banane nur eine Banane. Was aber nicht heißt, dass man sich nicht an oder mit ihr befriedigen kann. Vor allem dann natürlich, wenn sie Arme, Beine und einen Penis hat. Und zwei Meter groß ist!

Willkommen in der Welt der Hentais, der animierten japanischen Pornografie. Wo nichts unmöglich ist. Wo Menschen und Oktopusse ihr Glück finden. Wo die Grenzen der Vorstellung viel weiter sind als in Disneyland. Wo ein Fetisch erfunden wird, noch bevor jemand darauf steht.

Um was es geht, ist selbsterklärend: Hentais auf der großen Leinwand. Die ganze Nacht. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Wiege des Bösen

Originaltitel: It’s Alive, USA 1974, 91 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Larry Cohen, Darsteller: John P. Ryan, Sharon Farrell, James Dixon, William Wellman Jr.

Hier wäre der rechtzeitige Griff zum Kondom definitiv ratsam gewesen: Kurz nach der Geburt des langersehnten Nachwuchses muss die frischgebackene Mama Lenore Davis (Sharon Farrell) mitansehen, wie ihr ziemlich aggressiver Sprössling die komplette Kreißsaal-Belegschaft niedermetzelt. Nach dem blutigen Start in ein Leben voller Mordlust, flieht das Neugeborene aus dem Krankenhaus und versetzt bald darauf die gesamte Stadt in Angst und Schrecken.
Wo Polanskis Horror in „Rosemary’s Baby“ sich auf leisen Sohlen heranschleicht, verpasst Regisseur Larry Cohen dem Zuschauer gleich zu Beginn einen deftigen Stiefeltritt in den Allerwertesten. Für psychologisch fundierte Erklärspielchen bleibt keine Zeit, als blutige Freakshow funktioniert „Die Wiege des Bösen“ jedoch hervorragend. Oder wie es das Lexikon des internationalen Films formuliert: „... äußerst makaber wird auf fragwürdige Weise das Entsetzen zum Selbstzweck erhoben.“

„„Dieser Ausflug in das Entsetzen ist handwerklich so gut gemacht, dass er es verdient, ein Klassiker des Horror-Genres zu werden“, schrieb William Wolf in CUE. (…) Einen anderen Kommentar gab angeblich ein Polizist namens Alfred Sch. (im deutschen Verleih-Presseheft) ab: „Diesen Film müssen Wahnsinnige gemacht haben. Ich habe Stunden gebraucht, um mein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden.““ (Lexikon des Horrorfilms)

 

Die Wiege des Satans

Originaltitel: It Lives Again, USA 1978, 91 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Larry Cohen, Darsteller: Frederic Forrest, Kathleen Lloyd, John P. Ryan, Andrew Duggan

Als ob ein Killerbaby nicht gereicht hätte! Im zweiten Teil der Wiege-Trilogie blickt erneut ein glückliches Paar der nahenden Geburt ihres Kindes entgegen. Bis Spielverderber Frank Davis (John P. Ryan) zum Gespräch bittet: Er warnt die werdenden Eltern eindringlich vor der Niederkunft und prophezeit, dass das Gör ein mordgieriges Monster sein wird. Der Mann spricht aus Erfahrung, war es doch sein eigener Zögling, der in Teil eins die Straßen unsicher machte. Allen Warnungen zum Trotz erblickt der Nachwuchs das Licht der Welt – und wird kurz danach gemeinsam mit zwei weiteren Mutanten gekidnappt.

Wäre „Die Wiege des Satans“ ein chinesischer Film, läge der Verdacht nahe, Larry Cohen sei aus der Propagandakasse des Ein-Kind-Regimes bezahlt worden. So hingegen lässt sich nur mutmaßen, dass der Regisseur schlicht keinen Bock auf Kinder hat. Wie auch immer, der katholische Filmdienst war begeistert: „Ein abstruses Spektakel, das bedenken- und geschmacklos Horror-Szenen aneinanderreiht.“

 

Die Wiege des Schreckens

Originaltitel: It’s Alive III: Island Of The Alive, USA 1987, 91 Min., Originalversion, 35mm, Regie: Larry Cohen, Darsteller: Michael Moriarty, Karen Black, Laurene Landon, James Dixon

Diese Insel fliegt nicht mal Ryanair an: Mitten im Nirgendwo liegt ein teuflisches Eiland (Sylt?), auf dem vier mordlustige Mini-Mutanten ein Leben in der Verbannung fristen. In der alten Heimat will die Balgen niemand mehr liebhaben, was an diversen Blutbädern liegen könnte, die die Killerbabys angerichtet haben. Doch auch im Exil ist ihnen die Freude am Töten nicht vergangen, was einem Team von Wissenschaftlern prompt zum Verhängnis wird.

Jetzt sind Larry Cohens blutrünstige Bambini also reif für die Insel! Anderes Setting, gleiches Spiel: Auch in Teil drei der Wiege-Trilogie wird gemordet, was das Zeug hält. Atmosphärisch unterscheidet sich „Die Wiege des Schreckens“ jedoch deutlich von seinen beiden Vorgängern. Ein würdiger Abschluss der „Saga“.

 

Filme

Yung

Deutschland 2018, 95 Min., digital, deutsche Fassung, Regie: Henning Gronkowski, Darsteller: Emily Lau, Janaina Liesenfeld, Joy Grant

Frisches Blut für das träge deutsche Kino! Endlich mal wieder ein deutscher Film, der sich tatsächlich etwas traut!

„Janaina (Janaina Liesenfeld), Emmy (Emily Lau), Joy (Joy Grant) und Abbie (Abbie Dutton) leben in Berlin. Dort genießen sie das Nachtleben und kosten die hedonistische Seite der Metropole aus. Während sich Janaina ihr Taschengeld mit Webcam-Sex aufbessert, realisiert Emmy nicht, dass sie immer tiefer in den Strudel der Abhängigkeit gerät. Unterdessen ist Joy die meiste Zeit damit beschäftigt, Drogen zu verkaufen und über die Bedeutung von Liebe zu sinnieren. Die 16-jährige Abbie hingegen hat schon genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft: Sie will in die Stadt der Engel, nach Los Angeles, und dort ihr Glück versuchen. Alle vier stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und gehören der „Lost Generation“ an. Einer scheinbar ruhelosen, getriebenen Generation zwischen allem und nichts.“ (Björn Schneider, www.programmkino.de)

„Die Darstellerinnen machen ihre Sache vor der Kamera wirklich toll. Wie die lesbisch begehrende Emmy mit ihren eher heterosexuell orientierten Freundinnen darüber fachsimpelt, wie unattraktiv Penisse sind: herrlich. Oder wie Emmy die ganze Stadt Berlin zum 'Riesen-K-Hole' erklärt - womit das Loch gemeint ist, in das Nutzer der Droge Ketamin fallen, wenn die Wirkung nachlässt, oft begleitet von Bewusstlosigkeit. (…) Man lacht auch über diese Figuren in diesem halb tragischen, halb unfassbar polytoxikomanen Berliner Schulmädchen-Report mit Lizenz zum Strullen.
Henning Gronkowski spielt dabei mit noch mehr Referenzen: Dass alles stark improvisiert wirkt, als sei die Kamera einfach hinter den Darstellerinnen hergelaufen und habe festgehalten, was eben passiert, wenn es nur ganz wenige Anweisungen gibt – das hat sich Gronkowski beim Obercowboy des deutschen Films abgeguckt, bei Klaus Lemke, in dessen Low-Budget-Filmen er früher selbst mitgespielt hat („Schmutziger Süden“, „Unterwäschelügen“). Ja, „Yung“ entwickelt einen sehr ähnlichen, speziellen, schmuddeligen Lemke-Sog.“ (Jan Kedves, Die Zeit)
„Die Radikalität dieses Films ist sowohl das Kalkül seines Regisseurs als auch sein dokumentarisches Anliegen. Henning Gronkowski (…) kennt die Welt der Berliner Clubs, ihre Gesichter und Geschichten.“ (Annett Scheffel, Süddeutsche Zeitung)

 

51. TUESDAY TRASH NIGHT

America 3000

USA 1986, 92 Min, deutsche Fassung, digital, Regie: David Engelbach, Darsteller: Chuck Wagner, Laurene Landon, William Wallace

Wir schreiben das Jahr 1990. Durch einen fürchterlichen Atomkrieg wird das Land der unbegrenzten Möglichkeiten in Schutt und Asche gelegt. 900 Jahre später herrschen Frauen über die postapokalyptische Ödnis. Diese Amazonen regieren die Stämme, während die Männer entweder als (Sex-)Sklaven gehalten werden oder wie wilde Tiere leben. Doch ein listiger Bursche kann sich mit seinem Gefährten aus den Fängen der Ollen befreien. Sie finden im Bunker des US-Präsidenten Waffen, mit denen sie die Herrscherin Vena ausschalten könnten. Doch die friedfertigen Männer suchen zunächst das klärende Gespräch, um die mühsam erkämpfte Gleichberechtigung aller Geschlechter wiederherzustellen.

Dieses Endzeitactionepos lässt die Herzen der Steinzeit-Lifestyle-Fans höher schlagen, fällt dabei aber filmisch keineswegs in die Barbarei zurück. Und auch wenn die technische Herangehensweise den hohen Ansprüchen unseres geneigten cinephilen Publikums nicht entspricht, so lohnt sich der Film dennoch. Denn hier werden hochaktuelle politische und soziale Themen auf hohem sachlichem Niveau lösungsorientiert ausdiskutiert. Daher leistet dieser Streifen einen wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung, Genderdebatte und zum Klimaschutz. „Ein sexistischer Unsinn, ausgedacht und inszeniert von einem Wichtelhirn.“ (Lexikon des Science Fiction Films)

 

Töten war ihr Job

OT: Seduto alla sua destra, Italien 1968, 89 Min, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Valerio Zurlini, Darsteller: Woody Strode, Jean Servais, Franco Citti

Der Film schildert die letzten Tage des fiktiven kongolesischen Rebellenführers Maurice Lalubi: Das Scheitern der Revolution, seine Festnahme, die Folterungen durch die Staatsmacht und seine Hinrichtung. Das Vorbild für Lalubi ist der echte Rebellenführer Patrice Lumumba, der durch den Film quasi zu Jesus erhoben wird. Der Titel lautet übersetzt: „Er sitzt zur Rechten Gottes“.

Obwohl das Thema den Verdacht erwecken könnte, schwere Kost zu sein, ist es allenfalls die Gewalt, vor der zarte Gemüter zurückschrecken könnten. Davon abgesehen bietet der Film hervorragend fotografierte Scope-Bilder und Afrikaaufnahmen, Italowesternstil, herausragende Darstellerleistungen und eine humanistische Botschaft.

Ein hartes und düsteres Werk, dem auch der katholische Filmdienst trotz der drastischen Gewaltdarstellungen Ambitionen nicht absprechen konnte: „Dem überwiegend gut inszenierten, in einigen atmosphärisch dichten Passagen stark beeindruckenden Film kann man die besten Absichten nicht bestreiten; doch scheitern sie nicht zuletzt an dem inneren Widerspruch, schicksalsträchtigen Gerechtigkeitsglauben und ebenso vages Gottvertrauen mit einer gegenwartsorientierten, wegen der fehlenden geschichtlichen und glaubensmäßigen Begründung jedoch zu schwachen "sozialrevolutionären" Christusvorstellung zu verknüpfen.“ Bislang weltweit nicht digital erschienen.

 

Antons Archiv

35mm

Anton mag Filme. Und jeder der ihn kennt, weiß das. Daher kommt es häufiger vor, dass jemand ihn fragt: „Hey Anton, du magst doch Filme. Also diese alten, noch so richtig auf Rollen und so? Ich hab da was für dich.“ Und so kommt es, dass Anton nun ein kleines Archiv hat. Voller analoger Filmrollen vergangener Jahrzehnte. Jetzt muss er die nur noch sichten. Auch einfach, um zu sehen, was drauf ist. Und jeder, der kommt, darf mit schauen. Unter Umständen gibt es sogar ein paar Schätze zu entdecken ... Wahrscheinlich aber nicht.

Eintritt frei!