Reporter des Satans

Originaltitel: Ace in the Hole, USA 1951, 110 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Billy Wilder, Darsteller: Kirk Douglas, Jan Sterling, Robert Arthur

2019 war eine Gruppe von Jugendlichen über zwei Wochen in einem Höhlensystem in Thailand eingeschlossen – und die Welt konnte die Rettungsversuche quasi live beobachten, da die Presse tägliche Updates lieferte.

Eine ähnliche Geschichte behandelt Billy Wilders bitteres Drama „Reporter des Satans“, das auf dem Fall eines Forschers basiert, der 1925 in einer Höhle eingeschlossen wurde. Wichtiger als das Drama selbst, ist jedoch der mediale Umgang mit der Katastrophe: Kirk Douglas spielt den begabten, aber egozentrischen Reporter Chuck Tatum, der schon aus vielen Redaktionen gefeuert wurde und nun gezwungen ist, für ein kleines Lokalblatt zu schreiben. Als er von Leo Minosa hört, einem Einheimischen, der in einer Höhle eingeschlossen wurde, wittert er eine große Story. Um eine erfolgreiche Reportage zu schreiben, geht er skrupellos vor – und jedes Mittel ist ihm recht. Schaulustige pilgern zur Unglücksstelle, die Rettungsaktion wird zur Party.

„Reporter des Satans“ ist eine zynische und böse Abrechnung mit den Praktiken der Boulevardpresse und der menschlichen Sensationsgier. Ein packendes Drama, das bis heute aktuell ist – und das Kirk Douglas nicht als Sympathieträger, sondern als zynischen und skrupellosen Antihelden zeigt.

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

Filme

Yummy

Belgien 2019, 90 Min., deutsche Fassung, digital, Regie: Lars Damoiseaux, Darsteller: Maaike Neuville, Bart Hollanders, Benjamin Ramon

Die Belgier können viele seltsame Sprachen, überdimensionierte Statuen von Atomen und Bier, das nach Schokolade schmeckt. Neuerdings zählt zusätzlich der Zombiefilm zum Portfolio belgischer Handwerkskunst. „Yummy“ huldigt dem Kult der Wiedergänger und schickt seine Protagonisten Michael (Bart Hollanders) und Alison (Maaike Neuville) in eine ranzige osteuropäische Schönheitsklinik. Dort will Madame sich eigentlich nur die Brüste verkleinern lassen, landet jedoch samt Gatten mitten im Epizentrum einer Zombie-Epidemie. Nun gilt es, sich mit Händen und Füßen gegen die Untoten zur Wehr zu setzen.

„Yummy“ ist Belgiens erster aufwendig inszenierter Zombie-Horrorfilm und war einer der Hits des Fantasy Filmfests 2019. Saftige Effekte und jede Menge schwarzer Humor machen Lars Damoiseaux‘ Splatter-Schlachtplatte zu einem kurzweiligen und des Öfteren überraschend unangenehmen Streifen zwischen Facelifts, Brustimplantaten und Freakshow.

 

Teufelskreis Alpha

Originaltitel: The Fury, USA 1978, 118 Min., Originalversion, 16mm, Regie: Brian De Palma, Darsteller: Kirk Douglas, John Cassavetes, Carrie Snodgress

Der junge, telepathisch begabte Robert (Andrew Stevens) wird entführt – scheinbar von Terroristen. Doch sein Vater Peter (Kirk Douglas) findet heraus, dass in Wirklichkeit eine geheime Regierungsorganisation der USA dahintersteckt. Deren Leiter, der skrupellose Childress (John Cassavetes), will den Jungen für Spionagezwecke missbrauchen und hat es außerdem noch auf eine ähnlich begabte Studentin (Amy Irving) abgesehen. Doch er hat die Rechnung ohne Peter gemacht …

Nach seinem Kassenhit „Carrie“ drehte Kultregisseur Brian De Palma („Dressed to Kill“, „Scarface“) einen weiteren Film zum Thema Telepathie. Doch „The Fury“ geht weniger in die Horror-Richtung, sondern spielt geschickt mit Elementen des Agententhrillers, wobei überraschend scharfe kritische Töne angeschlagen werden. Der US-Regierung traut De Palma offenbar alles zu. Auch wenn der Streifen inhaltlich etwas überfrachtet wirkt, ist er doch ein packender und rasanter Reißer, der außerdem mit einer Traumbesetzung punkten kann. „Brian De Palma's "The Fury" is a stylish entertainment, fast-paced, and acted with great energy“, meinte dann auch der damalige US-Kritikerpapst Roger Ebert.

Special: In memoria di Kirk Douglas

Am 5. Februar 2020 ist Issur Danielovitch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, im Alter von 103 Jahren gestorben. Er war einer der letzten Überlebenden aus dem "Goldenen Zeitalter" Hollywoods. "Er hat fast alles im Filmgeschäft gemacht – Regie geführt, produziert und nebenbei noch die Blacklist in kleine Stücke gehauen", hieß es bei der Laudatio für seinen Ehren-Oscar 1996. Grund genug also für das KommKino, Kirk Douglas mit einer Auswahl seiner Filme zu ehren.

 

Filmarchäologen-Symposium

Vom 23. bis 25.10. laden wir herzlich zum Filmarchäologen-Symposium im KommKino ein.

Kommt mit auf eine Studienreise zur Ausgrabung längst vergessener filmischer Artefakte im originalen 35mm-Kinoformat. 

Seid dabei, wenn wir der Frage nachgehen, ob es sich bei den Fundstücken um verlorene Schätze oder vollkommen zu Recht verdrängten Humbug handelt.

Schließt Euch an und werdet Teil der Filmarchäologen-Community.

Zu sehen sind zehn Überraschungsfilme. Ein gewisser Schwerpunkt liegt auf Erotik der 60er und 70er Jahre. Enthalten sind aber unter anderem auch ein blutiges italienisches Drama, ein komödiantischer Episodenstreifen, ein dänischer "Halbstarken-Film" und ein ungewöhnlicher Krimi aus Frankreich.

Timetable:

Fr., 23. Okt.:

21:15
23:00

Sa., 24. Okt.:

14:00
16:00
21:15
23:00

So., 25. Okt.:

14:00
16:00
21:15
23:00

Eine Frau sieht rot

Originaltitel: Lipstick, USA 1976, 89 Min., deutsche Fassung, 35mm, Regie: Lamont Johnson, Darsteller: Margaux Hemingway, Chris Sarandon, Perry King

„Die überaus attraktive Chris arbeitet erfolgreich als Top-Model. Eines Tages lädt sie auf Empfehlung ihrer jüngeren Schwester Kathy deren Lieblingslehrer Gordon Stuart zu sich nach Hause ein: Der Hobbykomponist erhofft sich von Chris einen Einstieg ins Showgeschäft. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllt, lässt er seiner angestauten Frustration freien Lauf und vergewaltigt das Mädchen auf überaus brutale Weise. Es kommt zu einem aufreibenden Prozess – der mit einem Freispruch für Stuart endet. Trotz des furchtbaren Erlebnisses versucht Chris, ihr bisheriges Leben weiterzuführen. Doch als Stuart wenig später auch Kathy vergewaltigt, kennt sie nur noch ein Ziel: Rache.“ (nach retro-film.de)

Der zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geratene Streifen stellt keineswegs, wie es der deutsche Titel signalisiert, lediglich eine weibliche Variante des Selbstjustiz-Klassikers „Ein Mann sieht rot“ dar. Regisseur Lamont Johnson verzichtet zwar nicht auf exploitative Effekte. „Lipstick“ ist jedoch kein Actionkracher, sondern eher ein psychologisch interessantes, doppelbödiges Drama von beachtlicher Intensität. Die versierte Inszenierung und die guten schauspielerischen Leistungen sorgen dafür, dass der Film kaum etwas von seiner Wirkung eingebüßt hat. Und sein Thema ist, wie die derzeitigen Debatten beweisen, zeitlos aktuell – leider.

 

Komm und sieh

Originaltitel: Idi i smotri, Sowjetunion 1985, 146 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln, digital, Regie: Elem Klimow, Darsteller: Alexei Krawtschenko, Olga Mironowa, Liubomiras Laucevičius

Weißrussland 1943. Der junge Florja, mehr Kind als Erwachsener, will sich rekrutieren lassen und zieht stolz in den Kampf gegen Nazi-Deutschland. Der kindliche Traum von Ruhm und Abenteuer zerplatzt aber schon sehr bald: Der Kommandant will ihn beim Einsatz nicht dabeihaben. Und auf seinem Rückweg beginnt für ihn eine Odyssee, die ihn mitten in die Hölle des Zweiten Weltkriegs führt.

Ein Klassiker. Elem Klimows letzter Spielfilm, dessen Drehbuch von der Sowjet-Zensur jahrelang blockiert wurde, gilt vielen als bester (Anti-)Kriegsfilm der Kinogeschichte. Kritiker-Papst Roger Ebert sprach gar von „einem der niederschmetterndsten Filme aller Zeiten“. Und Andreas Kilb von der FAZ schrieb: „‚Komm und sieh‘ ist ein Kriegsfilm von ungeheuerer Brutalität, aber auf seinem Höhepunkt schlägt der Schrecken um in furchtbare Nachdenklichkeit.“