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Salomes letzter Tanz
Originaltitel: Salome’s Last Dance, UK 1988, 87 Minuten, deutsche Fassung, 35mm, Regie: Ken Russell, Darsteller: Glenda Jackson, Stratford Johns, Nickolas Grace, Douglas Hodge
Eine schöne Überraschung für Oscar Wilde und seinen Lover: In einem Londoner Edelbordell führt eine Gruppe Laienschauspieler ihm zu Ehren dessen verbotenes Stück „Salome“ auf. In der grell bunten Inszenierung wirkt sogar Puff-Besitzer Alfred Taylor höchstpersönlich mit und entführt seinen literarischen Stargast in eine Welt der Sünde und Travestie.
Der Regisseur Ken Russell unterläuft mit seiner provokativen Inszenierung von Wildes Werk bürgerliche Erwartungen und schert sich dabei keinen Deut um moralische Normen. Ein wilder Ritt, der auf der großen Leinwand besonders viel Spaß macht.
Retrospektive Henry Kenneth Alfred „Ken“ Russell (1927-2011)
Das KommKino widmet dem britischen Regisseur Ken Russell eine Retrospektive. Russell zählt bis heute zu den eigenwilligsten Filmemachern des internationalen Kinos. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen klassischer Musik, literarischen und religiösen Stoffen und einer Bildsprache, die bewusst überzeichnet, dabei körperlich und oft grotesk ist.
Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Die Teufel“, „Die Hure“, „Gothic“, „Tommy“, „Salomes letzter Tanz“ und „Der Biss der Schlangenfrau“. Russell griff darin auf historische, musikalische und mythologische Vorlagen zurück, um sie filmisch zuzuspitzen und gegen den Strich zu lesen. Religion, Sexualität, Macht und Kunst stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, ohne auf eindeutige Deutungen hinauszulaufen.
Russells Filme sind fordernd und nicht auf unmittelbare Gefälligkeit angelegt. Sie irritieren, provozieren und eröffnen neue Perspektiven auf das, was Kino leisten kann. Der Regisseur, der seine Laufbahn im britischen Fernsehen begann, schuf später Arbeiten, die immer wieder auf Widerstand, Zensur und Skandalisierung stießen. Gerade aus dieser Spannung zwischen künstlerischem Anspruch und bewusster Übersteigerung beziehen seine Filme ihre Wirkung. Viele seiner Bilder haben bis heute nichts von ihrer Kraft verloren.
Eine Ken-Russell-Retrospektive im KommKino ist daher mehr als eine bloße Wiederaufführung. Sie bietet die Gelegenheit, ein Werk neu zu betrachten, das sich einfachen Einordnungen entzieht und bis heute singulär im Kino steht.