B-Film Basterds 2024

B-Film-Basterds_2024
Kategorie
Filmfestivals
Dates
Mittwoch, 29. Mai 2024 21:00 - Montag, 3. Juni 2024 01:00

B-Film Basterds 2024

Vom 29.05. bis 02.06.24 wird das B-Film Basterds im KommKino stattfinden!

Wir freuen uns auf Ninjas, Superhelden, kettensägenschwingende Gestalten, italienische und deutsche Kommissare und vieles mehr ...
Teils im original analogen Kinoformat!
Mit persönlicher Anwesenheit der Regisseure Thilo Gosejohann und Alexander Iffländer sowie des Autors Christian Keßler!

Das Programm in der Übersicht:

Mittwoch

Ninja Operation 6: Champions on Fire (21:00 Uhr)
„Ninja Operation 6“ aka „Ninja Champions of Fire” aka „Ninja Avengers“ (der Filmtitel könnte wie immer von jedem beliebigen anderen Titel aus dem Genre getragen werden und lässt keinerlei Rückschlüsse auf den Filminhalt zu – vom Wort „Ninja“ mal abgesehen) von 1986 ist ein typischer Godfrey Ho/Joseph Lai/IFD-Streifen und die eigentlich unangenehmste Art des Filmemachens: Man besorge sich eine Filmbaustelle und drehe irgendwelchen Ninja-Klimbim herum, schon hat man zwei Filme zum Preis von einem. In den meisten Fällen haben die Handlungsstränge null komma nix nada miteinander zu tun, aber die Vermittlung zwischen beiden Filmteilen kann für großen Spaß sorgen, so wie bei den Trashkönigen aus dem schier unerschöpflichen Genre: „Frauenlager der Ninja“, „Ninja Terminator“ oder „Clash of the Ninjas“. In „Ninja Operation 6“ wird der böse Ninja Ringo (!) aus dem Ächz (Kenner der MAD-Spiels wissen Bescheid) entlassen und muss feststellen, dass sein geheimer Ninja-Clan nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Er sinnt auf Rache gegen den Miesling, der ihn damals verraten hat: ein Kerl namens Antonio (Nachname nicht Montana). Antonio ist Wanderpriester (mit überdimensioniertem Kreuz auf dem Buckel, das ist fast noch symbolschwangerer als bei Van Damme in „Cyborg“), mit einer Waffe direkt aus dem Italo-Western, was für einen kräftigen Bodycount sorgt. Gleichzeitig ist er verwandt mit Ninja-Meister Gordon, die Lieblings-Rolle von keinem geringeren als Richard Harrison, der in fast jedem relevanten Film des Genres mitgewirkt hat. Bis heute behauptet Richard Harrison, Godfrey Ho und IFD haben ihn per Cut & Paste in mehr Filmen auftreten lassen, als zuerst abgesprochen (angeblich nur einen). Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in die Mitte. Vielleicht muss aber auch die Mengenlehre der Mathematik neu definiert werden? Der diesmal kannibalisierte Film ist jedenfalls „Fury in Storm“ von 1974, was man deutlich sieht, aber niemanden mehr wundern dürfte. Angeblich ist es der erste IFD-Film, der in HD veröffentlicht wurde – damit man nur noch deutlicher sieht, wie Käse dieser Film ist!

Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf (22:45 Uhr)
Buio Omega, Italien 1979, Regie: Joe D'Amato
Schön, doch leider tot - so sieht es für die Verlobte von Frank Wyler aus. Das ist jedoch erst der Anfang von "Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf", denn Frank entscheidet sich nach ihrem Ableben für eine nicht ganz unumstrittene Form der Trauerbewältigung. Er buddelt ihre Leiche aus und präpariert sie als neue Bettgenossin, für irgendwas muss das Hobby mit dem Tiereaustopfen ja auch gut sein. Eine Anhalterin hat leider nicht Aktenzeichen XY gesehen und wählt Frank kurz danach als Fahrer aus, mit unschönem Ergebnis für ihre Gesundheit. Einmal auf den Geschmack gekommen, mordet Frank fröhlich weiter und wird dabei auch noch von seiner dubiosen Haushälterin Iris unterstützt, die aber sich nicht nur auf die Reinigung von Wannen und Herdöfen spezialisiert hat, sondern ganz eigene Pläne verfolgt...Mit Titeln wie "Nackt unter Kannibalen" und "Emanuela - Alle Lüste dieser Welt" hatte der ehemalige Kameramann und Vielfilmer Aristide Massaccesi alias "Joe D'Amato" schon vor 1979 bewiesen, das er ein Meister sozialethisch-desorientierender Bahnhofskino-Perlen war, doch mit dem splattrigen Giallo-Horror-Hybriden "Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf" (Originaltitel "Buio Omega") schaffte er es sein bisheriges Schaffen in Sachen Geschmacksunsicherheit lässig zu toppen. Mit dem italienischen Genrekino ging es ja Ende der siebziger Jahre langsam, aber beständig bergab, sodass man generell mal ganz gerne die grobe Kelle auspackte - die hier gezeigten Splattereien stellten jedoch fast alles bisher gezeigte fies lächelnd in den Schatten und sorgten zusammen mit Lucio Fulcis "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" dafür, dass eine neue Welle harter Italo-Horrorstreifen in deutschen Kinos und Videotheken noch ein paar kurze Jahre für Umsatz sorgte. Bis dann leider besorgte Jugendschützer*innen (für Bayern: Jugendschützer) feststellten mussten, dass ihre Kinder nur noch was von "Mama, Papa, Zombie" faselten und die große bundesdeutsche Beschlagnahmungswelle ebenfalls "Sado" erfasste - da nutzte auch der Marketing-Gag mit "erst ab 21 Jahren empfohlen" und der gelungene Soundtrack der italienischen Progressive-Rockgruppe „Goblin“ nichts.Anno 2023 dann die große Überraschung für ganz Deutschland - oder zumindest für die meisten cineastischen Nachtschattengewächse: Die Beschlagnahme von "Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf" wurde aufgehoben. Und so freuen wir uns diesen Meilenstein schaurig-schummriger Filmunterhaltung bei den "B-Film Basterds" präsentieren zu können!
Die Kritik ist begeistert:
„Ein Film, der in Sadismus und Zynismus kaum zu übertreffen ist. - Wir raten ab.“
Katholischer Filmdienst
Und selbst Alfred Hitchcock soll kurz vor seinem Tod noch bis ins Mark schockiert gewesen sein: "Just thinking about this movie gives me the chills!" Vielleicht waren es ja gar die Nachwirkungen der schockierenden "Sado"-Sichtung, die Hitch ins Grab gebracht haben. Oder sollte dieses Zitat nur eine Ausgeburt cleverer italienischer Werbetexter gewesen sein? Lassen wir das mal dahingestellt. Die Wahrheit wird wohl niemand mehr mit absoluter Gewissheit ermitteln ...

Donnerstag

Oswalt Kolle: Was ist eigentlich Pornographie? (14:30 Uhr)
35mm
Oswalt Kolle – seines Zeichens Aufklärer der Nation – bemühte sich in den späten 60ern und frühen 70ern ein bisschen Bildung in die deutsche Sexfilmwelle einzuschleusen. Stets geplagt von den hiesigen Zensurbehörden ("Der Schwanz bleibt drin!") musste er seinen wissenschaftlichen Anspruch zumindest in der Prüfung stets betonen, um nicht im Vergleich zu den Report-Filmen in die sexuelle Bedeutungslosigkeit geschnitten zu werden. Mit "Was ist eigentlich Pornographie" wollte Kolle 1971 dann kurz vor der Reform des Sexualstrafrechts in Deutschland die Fortschrittlichkeit ausländischer Porno-Produktionen zeigen und Werbung dafür machen, wie einfach man an die Filmchen rankommen kann, wenn man möchte. Natürlich plädiert er auch für die Freigabe von Pornographie in Deutschland - ein echter Vorreiter.
Hier haben wir allerdings einen der seltenen Fälle, in denen die FSK den Film aufpolieren konnte: Kurz vor Veröffentlichung werden große Teile des Films beanstandet. Die Rettung: Kolle dreht einfach einen minutenlangen Rant gegen die Zensur, setzt ihn als Intro vor seinen Film und überdeckt die zu zensierenden Passagen mit Kreisen und Balken voll Text, um die FSK auch während des Films noch angreifen zu können. So wird ein belangloser Pseudo-Aufklärerfilm zum Frustventil eines Journalisten/Filmemachers. Schade nur, dass zwischendurch irgendwelche Sozialwissenschafler und Ärzte dazwischenfunken, um an den ursprünglichen Versuch des Films zu erinnern.
Der katholische Filmdienst war seinerzeit ebenfalls ganz aus dem Häuschen – auch wenn man sich dort scheinbar gern mehr Pornografie gewünscht hätte:
"Pseudowissenschaftlicher Querschnitt durch mehr oder weniger belanglose Aussprüche einschlägiger Publizisten und Sexualwissenschaftler zur Titelfrage. Kaum ergiebig sind auch die dabei vorgeführten Beispiele dänischer Porno-Schmalfilme."

Überraschungsfilm (16:30 Uhr)

Gentlemen Broncos (21:00 Uhr)
"„Napoleon Dynamite“ reloaded – auch wenn Jared Hess mit „Gentlemen Broncos“ nicht an seinen Erstling heranreicht, weil sein exzentrischer Stil das Publikum einfach nicht mehr so zu überraschen vermag wie beim ersten Mal, ist es doch schön zu sehen, dass der eigenwillige Regisseur nach einem missratenen Hollywood-Abstecher wohlbehalten zu seinen Independent-Ursprüngen zurückgekehrt ist." (Christoph Petersen, www.filmstarts.de)

White Fire (23:15 Uhr)
Großbritannien/Frankreich/Türkei 1984
White Trash get down on your knees, time for cake and sod… Äh, halt, falsch, obwohl „Trash“ ein gutes Stichwort ist, denn es gibt so viel davon in diesem Film. Bo (Robert „der Exterminator“ Ginty) und Ingrid (Belinda Mayne) sind ein kriminelles Geschwisterpaar, haben nur (!!!) geschwisterliche Gefühle füreinander und klauen gerne gemeinsam alles, was nicht niet- und nagelfest ist, am liebsten Diamanten. Irgendwann erfahren sie vom mysteriösen „White Fire“, dem größten Diamanten der Welt, gegen den der Hope Diamant nur ein Kekskrümel ist. Sie begeben sich auf ein Abenteuer in die Minen, wo bereits böse Gangster auf sie warten und eine wilde Trash-Sause beginnt, die einiges an Überraschungen parat hat, was hier gar nicht gespoilert werden darf. Und plastische Chirurgie ist auch dabei. Chefarzt Robert Ginty greift sogar mal persönlich zur Kettensäge und man denkt eigentlich, sein Schnauzbart ist bereits Massenvernichtungswaffe genug. Auch Fred Williamson ist am Start und wir wissen – jeder Film mit Fred Williamson ist schon mal prinzipiell besser als jeder ohne ihn (außer „Fist of Fear Touch of Death“ vielleicht). „White Fire“ ist bester Euro-Trash aus einer längst vergangenen Zeit, die nie mehr wiederkommen wird. Über die meiste Strecke in der Türkei gefilmt, wo Istanbul unerklärlicherweise von einer Wüste umgeben ist. Dafür brennen die Flammenwerfer umso heißer, v.a. wenn man seine diesbezüglichen Stunts ohne feuerfesten Anzug macht. Alles an Film, was aus der Türkei kommt, ist grundsätzlich toll, leider spielt Cüneyt Arkin nicht mit, dafür aber Gordon Mitchell, Eurotrash-Veteran der Extraklasse. Regisseur Jean-Marie Pallardy (nicht verwandt oder verschwägert mit Jean-Marie Pfaff) hat auch einige Sexploiter gedreht, darunter zwei Emanuelle-Pseudosequels (weil irgendwann jeder Nicht-Lederhosen-Sexfilm als Emanuelle-Film verkauft werden musste). Hörenswert ist übrigens auch der Titelsong von Limelight, ein Paradestück der 80er-Filmsoundtracks: „In the white fire, white fi---jöööär---!“ Einmal drin in der Birne kommt der nie wieder raus, und das ist auch gut so!
Wir zeigen den Film in der ungeschnittenen Unrated-Fassung.

Freitag

Beast of Yucca Flats (13:45 Uhr)
USA 1961
Wir starten mit einer Eröffnungsszene aus dem Lehrbuch für Schund-Schocker: Eine halbnackte Frau trocknet sich vor einem Badezimmer-Spiegel ab (sofern man nicht die zensierte Version vor die Nase gesetzt bekommt) und wird kurz darauf von einer scheinbar sehr stämmigen Gestalt (man sieht nur die Hände) erwürgt. Die Haarpflege würgt halt schon... höhö...Anschließend wird noch Sex mit der Toten angedeutet und das ist selbst für einen Z-Schotterhobel von 1961 schon ein recht gewagter Anfang. Aber keine Sorge, auf dem Niveau bleiben wir nicht... Meine Damen und Herren, bitte anschnallen, ab jetzt geht es rapide bergab! Zurück zur Handlung bzw. starten wir mal mit der Handlung, den besagte Eröffnungsszene hat eigentlich gar nichts mit dem Film zu tun - was ja auch ein Qualitätsmerkmal ist.Der sowjetische Wissenschaftler Joseph Javorsky flieht via Flugzeug mit diversen Geheimunterlagen (Mondmission der UdSSR!) gen USA. Da dies nicht in einer Boeing erfolgt, landet er auch sich - wird aber leider nicht nur von US-Agenten in Empfang genommen. Stattdessen tauchen auch gleich ein paar Sowjets auf und die Verfolgungsjagd beginnt. Die US-Agenten werden dann irgendwann über den Haufen geschossen, aber Joseph Javorsky kann in die Wüste fliehen. Wobei "Fliehen" relativ ist, ein paar Schritte nach dem Motto "Bloß nichts übereilen" tun es auch... Russische Agenten, die aus zwei Meter Entfernung jemanden von der Größe einer mittleren südafrikanischen Elefantenkuh nicht mit ihren Pistolen erwischen, sind halt auch nicht so die wirkliche Bedrohung.Pech allerdings für Joseph Javorsky, dass er bei seinem Flüchtchen ein wunderschönes Pappschild mit der Aufschrift "Yucca Flats" übersieht, denn dabei handelt es sich dummerweise um ein Atombombentestgelände. Kurz darauf geht die A-Bombe auch schon hoch (garantiert extra für diesen "Film" gezündet) und verseucht Javorsky mal so richtig. Er mutiert zum mordenden "Beast of Yucca Flats"!Ab und zu muss im B-Film Basterds Tower ja auch mal der Keller ausgefegt werden und so dürfen wir uns diesmal über einen All-Time-Klassiker jeder "Worst Films"-Hitliste freuen, der sogar mit Conrad Brooks und vor allem Ex-Wrestler Tor Johnson zwei Darsteller aus dem Ed-Wood-Cinematic-Universe bietet. Hauptproblem des Films ist allerdings nicht (nur) seine stümperhafte Inszenierung, sondern dass es sich bei Beast of Yucca Flats quasi um das Hörspiel unter den Trashstreifen handelt.Es gibt nämlich so gut wie keine Dialoge, aber stattdessen einen pausenlos labernden Erzähler. Und so quält uns dieser Mansplaining-Maniac mit Sprüchen wie "Urlaubszeit. Menschen reisen in den Osten, Westen, Norden oder Süden." Folgenschweres Ergebnis: Hier wird der Kinosessel nicht zum elektrischen Stuhl, stattdessen möchte man eher das Sitzpolster seines Kinositzes rausreißen und dem Erzähler damit den Mund stopfen. Immerhin wird man durch das lahme Gesamttempo von "Beast of Yucca Flats" dann doch wieder besänftigt - hätte man versucht das Drehbuch mit einer KI zu schreiben, wäre es vermutlich zu einem Timeout gekommen.Einzige positive Ausnahme: Die rührende Schlussszene mit dem süßen Karnickel. Diese ist laut Regisseur aber nur zufällig entstanden, was wiederum zu "Beast of Yucca Flats" und seinen "Qualitäten" auch ganz gut passt!„Ein echt wunderbarer Schrottfilm, keinen Schuss Pulver Wert und daher eigentlich unverzichtbar in jeder echten Trashsammlung.“
Markus Nowak, Badmovies.de

Die Bettwurst (15:15 Uhr)
BRD 1971, 16mm
Die zwei queer-ausschweifenden Kleindarsteller:innen Luzi Kryn und Dietmar Kracht aus dem Dunstkreis des schwulen Aktivisten, Undergroundregisseurs und Zwangs-Outing-Provokateurs Rosa von Praunheims mimen ein urdeutsches traditionell-heterosexuelles Liebespaar. Neben der schnulzig verklemmten Kleinstadtromantik des ersten Kennenlernens bieten uns die beiden eine langwierige Charakterstudie trist-fröhlicher Nachkriegsheteroliebe, in der sich die Eintönigkeit der Haushaltspflichten einen Wettkampf mit der Monotonie des Liebesakts liefert, um sich in ihrer Trivialität und Abgestandenheit zu messen.
Mit einer Camp-Ästhetik á la John Waters wechselt von Praunheim im Nachklang der 68er Revolution und der Sexwelle die Perspektive vom medial verbreiteten „Skandalsex“ zum öden Liebesleben des Großteils der Bevölkerung und schenkt uns eine Antiwerbung für das heterosexuell-monogame Beziehungsmodell. Ohne Geld, Schauspielkunst oder Filmausbildung kann Rosa so seine eigenen Ressentiments gegenüber dem Normalen Ausdruck verleihen und dreht so die Sichtachse des Klischees von sich als homosexuelle Randgruppe auf die Anderen um. Lachnummer ist jetzt weniger das Anderssein, sondern die Absurdität des verklemmten Normalbürgertums und die Unnatürlichkeit des Ottonormalliebesverkehrs.

King Kong – Dämonen aus dem Weltall (17:00 Uhr)
Japan 1973, Regie: Jun Fukuda
Spoiler: Dieser Film beinhaltet keine übergroßen Affen!
Wie (aus nicht wirklich gehirngesunden Gründen) üblich in der Zeit, in der die tollkühnen Kerle in ihren Gummikostümen es durch die asiatische Kontinentalmasse bis über’s Uralgebirge in deutsche Gefilde geschafft haben, wusste keiner mehr, wie das Viechzeugs in den aufregenden Streifen heißt.
Und King Kong kennt ja hier doch irgendwie jeder. Wird schon keinem auffallen.
Etwas treffender der Originaltitel, grob übersetzt: Godzilla gegen Megalon (und, noch mehr Spoiler, gegen Gigan und im Tag Team mit dem absoluten Oberhammerüberroboter Jet Jaguar, aber dazu gleich mehr)
Im letzten (frankensteinlosen) Toho-Monsterklopper „Frankensteins Höllenbrut“ musste unsere große, grüne Atombombenkonsequenz noch gegen den diesmal schändlich verschwiegenen Gigan PLUS den Sephiroth des Kaiju-Verse, King Ghidorah ran.
Jetzt, im Nachfolger, darf er sich gegen ein Doppelgespann aus der Werkzeugkiste beweisen:
Gigan, die monstergewordene Kreissäge und sein neuer bester Bohr-weiter-Kumpel Megalon, ein etwas zu groß geratenes Käfer-Pokémon, dass die Driller-Killer-Attacke gelernt hat.
Warum? Weil Menschen böse Atombomben auf dem Privatgelände hochentwickelter Unterwassermenschen testen und die sich nicht anders zu helfen wissen, als Meg und Gig zum Aquamenschen-Avengen gegen die Landnasen in den Kampf zu schicken.
Unterstützung bekommt unsere Ein-Monster-Tokio-Renovierungs-Einheit von der Gehirnfrucht eines extrem brillanten Wissenschaftlers, der leider auch einen extrem nerviges Kind als Sidekick hat:
Jet Jaguar (im deutschen Ton als titelgebender King Kong misgendered) ist die direkte Verknüpfung des Menschenplots mit der eigentlich wichtigen Haupthandlung – Gummianzugleute geben sich auf den Nüschel.
Ein hochentwickelter Roboter, der „kleiner Mann ganz groß“ etwas zu wörtlich nimmt und auf Wunsch einfach mal auf Atomechsenhöhe anschwellen kann und dessen Design dazu auch noch laut der ergiebigen Wikizilla und gutem altem Hörensagen aus einem Design-Wettbewerb für Kinder stammt.
Die Action ist nicht nur Stock Footage, der Sideplot ist gehirnpürierend, aber wenigstens unterhaltsam und Godzilla kämpft mit einem Metallgrinsebuben gegen Tool-Time-Monster. Was will man denn bitte mehr?

Christian-Keßer-Vortrag (21:00 Uhr)
Der Filmgelehrte Christian Keßler ist Autor vieler kultisch verehrter und teils nur zu horrenden Sammlerpreisen bekommender Bücher über die gerne unterschlagenen Seiten des Kinos. Diesmal referiert er auf seine unnachahmlich unterhaltsame Weise über italienische Polizei- und Gangsterfilme - natürlich wieder garniert mit zahlreichen Ausschnitten.

Der Berserker (23:45 Uhr)
Italien 1974, Regie: Umberto Lenzi
Giulio verpatzt als Mitglied einer Gangsterbande einen Coup durch seinen sehr lockeren Finger am Abzug. Die Auftraggeber reagieren erbost und maßregeln Giulio mittels körperlicher Züchtigung. Doch nachdem seine Tränen getrocknet sind, wählt er die Flucht nach vorn und will es endlich allen zeigen. Zusammen mit zwei Komplizen entführt er die Tochter des Chefs seiner Freundin, um eine halbe Milliarde Lösegeld zu erpressen. Dabei macht er mit allen kurzen Prozess, die sich ihm in den Weg stellen. Kommissar Grandi (Henry Silva, „Der Teufel führt Regie“) steht zunächst vor einem Rätsel und als Indizien auf Giulio verweisen, sind ihm rechtlich die Hände gebunden…
Mit dem Charakter des Giulio Sacchi erschuf man unter Mithilfe des genialen Schauspielers Tomas Milian („Der Gehetzte der Sierra Madre“) einen hochinteressanten Gangster-Typus, einen gemeingefährlichen Kindskopf, der weder Verantwortung noch Skrupel kennt, einen größenwahnsinnigen, egozentrischen, dabei bauernschlauen Tunichtgut mit nervösen Zuckungen, der glaubt, sich nehmen zu können, was er will und sich von der Gesellschaft permanent benachteiligt fühlt. Sein Charakter ist der pure Zynismus, wenn er immer wieder auf seine eigene Mittellosigkeit anspielt, einen Spruch nach dem anderen klopft um im Wahn wahllos herumballert. In der Eröffnungssequenz muss zu einem treibenden Score Maestro Morricones zunächst ein nerviger Politess dranglauben, anschließend zerschüsselt’s einige italienische Kleinwagen. Doch wer das bereits für einen bösartigen, actionreichen Einstieg hielt, wird staunen, was der Film noch alles zu bieten hat. Eine unfassbare Entwicklung nimmt ihren Lauf, unbeschreiblicher Sadismus herrscht vor und man schafft es tatsächlich, immer wieder einen draufzusetzen. Milian liefert eine irrsinnige Performance, wird dabei fast schon comichaft überzeichnet und ist Garant für den bösartigen Humor des Films.
Rund 95 rasant und technisch einwandfrei umgesetzte Minuten lang sieht man Milian über Leichen gehen, kaum zwischen Freund und Feind unterscheiden, rigoros ein Todesurteil nach dem anderen vollstrecken. Seine Aura eines leicht zu unterschätzenden Großmauls, dessen Gefahr oftmals erst erkannt wird, wenn es zu spät ist, wirkt beunruhigend und faszinierend auf den Zuschauer zugleich. Lenzi sollte zukünftig noch viele weitere Poliziesci inszenieren, Milian an vielen weiteren beteiligt sein. Mein Streifzug durch den internationalen Polizei-/Gangster-/Mafiafilm und Polit-/Justiz-Thriller mit Schwerpunkt auf Italien erweist sich immer wieder als wahre Wundertüte voller Überraschungen und ich kann es kaum erwarten, mehr davon zu sehen. Der Stoff liegt schon bereit, wird säuberlich eingeteilt und alsbald gedrückt werden. „Mit dem Verstand ist so was nicht zu erklären!“
buxtebrawler (deliria-italiano.de)

Samstag

Die dressierte Frau (14:00 Uhr), 35mm
BRD 1972
Na, was ein Glück, dass wir bei den B-Film-Basterds sind und nicht auf dem nächstbesten Kunstfilmfestival. Das hätte euch Zuschauern vermutlich eher so einen Beziehungsdramenkram wie „Die flambierte Frau“ mit Gudrun Landgrebe und Mathieu Carrière angeboten, und wir wären allesamt eingeschlafen. Stattdessen bekommt ihr in diesem Jahr – Trommelwirbel – „Die dressierte Frau“.
Der Regisseur dieses 1972 gedrehten Films hört auf den Namen Ernst Hofbauer, und bei dem Namen wissen wir gleich: Das ist doch dasjenige Terrain, auf dem wir uns sehr gerne kuschelig warm im Kinosessel lümmeln. Auch weibliches Publikum dürfte sich gut aufgehoben fühlen, denn „Die dressierte Frau“ ist als Plädoyer für Feminismus und Emanzipation der krasse filmische Gegenentwurf zu Esther Vilars Skandalbuch „Der dressierte Mann“ (und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Hannelore Schütz und Ursula von Kardorff). In Form einer Reportage – mit schon aus den ersten drei Teilen der „Schulmädchen-Report“-Reihe bekannten Straßeninterviews – erhalten wir in unterschiedlichen Episoden Einblicke ins Beziehungsleben von Mann und Frau, bei denen am Ende frau auf jeden Fall jeweils das bekommt, was sie will.
Also, hoffen wir zumindest…

Blood After Midnight (16:00 Uhr)
Halloween 1982 - in den drei öffentlich-rechtlichen Sendern, die man in seiner Gruft empfangen kann, läuft mal wieder nichts Vernünftiges und die Sender der DDR senden sowieso nichts für Vampirinnen, da die Blutsauger eh alle im Westen (oder in Rumänien) hocken. Da droht man sich glatt zu Untode zu langweilen. Doch Glück im Unglück für Gräfin Katharina von Karnstein, denn ihr Lieblingsonkel hat ihr gerade erst einen Stapel von Betamax-Kassetten direkt aus Transsylvanien (für Transphobe: Siebenbürgen) geschickt. Also Videorekorder angeschmissen und... Lasst den gemeinsamen gruseligen Videoabend mit Filmen von tödlichen Telefonbüchern, schlecht träumenden Werwölfen, sexy Geheimagenten und abstrusen Wesen aus dem fernen Japan beginnen!Seit jeher war es Markus Nowak aka Dr. Acula ein Anlegen bei jedem B-Film Basterds Festival mindestens einen Film aus dem deutschsprachigen Independent-Bereich zu zeigen und damit auch so etwas wie Nachwuchsförderung zu betreiben. Eine beliebte Tradition, die sowohl beim Publikum ("Vampire Vienna" gewann 2022 den "Golden Ninja Warrior Award"-Publikumspreis) als den Filmschaffenden selbst (nur einer drohte mit einem Anwalt) immer gut ankam. Klar, dass wir diese Tradition auch nach dem Tod von Dr. Acula fortsetzen und was passt da besser, als ein Beitrag aus dem Vampir-Genre? Genauer gesagt ist bei "Blood after Midnight" zwar nur die Rahmenhandlung (es handelt sich nämlich um einen filmische Anthologie diverser Kurzfilme des Regisseurs Alexander Iffländer) dem Vampirgenre zu zuordnen, aber Gräfin Katharina von Karnstein steht natürlich klar in der Tradition von Elvira und der wilden Hilde.Und diese führt uns fachlich versiert bei "Blood after Midnight" durch diverse Faketrailer und Kurzfilme aus dem Hause Iffländer, bei denen es jede Menge lustige Ideen, stimmige Requisiten (Katharinas Sarg ist echt!), einen coolen Soundtrack und sogar Genre-Prominenz in Nebenrollen wie Katja Bienert ("Schulmädchenreport Teil 13", "Die nackten Superhexen vom Rio Amore", "Praxis Bülowbogen"), Michel Jacot ("Lass jucken, Kumpel", "Liebesgrüße aus der Lederhose", "Schulmädchenreport Teil 12") und Rolf Eden ("Ich - ein Groupie", "Das Auge des Bösen", "Richy Guitar") zu bewundern gibt. Nicht zu vergessen Karnstein-Darstellerin Katharina Martin, die als Schauspielerin, Sängerin und Comedienne aktiv ist.Also: Popcorn bereithalten und zurücklehnen für einen irrwitzigen Genretrip!
Alexander Iffländer wird persönlich anwesend sein!

Captain Cosmotic (20:00 Uhr)
Deutschland 1998
In Anwesenheit des Regisseurs Thilo Gosejohann!
Im letzten Jahr kam Thilo Gosejohann noch bei den B-Film Basterds zu höchsten Ehren: Sein eindringliches Vietnam-Drama „Operation Dance Sensation“ wurde mit dem besten aller Preise, dem Golden Ninja Award, ausgezeichnet. Umso mehr freuen wir uns, euch nun auch seine fünf Jahre zuvor gedrehte Superhelden-Parodie „Captain Cosmotic“ präsentieren zu können.
Darin kämpft der erfolglose Küchenartikel-Vertreter Dieter Parker (Dieter Parker? Höhö! Kapische?) in Gestalt des titelgebenden Superhelden – Seite an Seite mit seiner Kollegin Powerbitch – gegen den fiesen Berator und seine kompetente Bösmannstruppe, die Liga der Ungerechtigkeit. Können sie verhindern, dass der Herrscher über den Planeten Karloff auch noch Herrscher über den Planeten Lugosi wird? (Es ist übrigens sehr nett, dass der Wikipedia-Artikel uns Dummvolk auf die vielen tollen namentlichen Anspielungen aufmerksam macht…)
Macht euch also gefasst auf ein atemberaubendes Spektakel mit ganz viel Action und vielleicht sogar noch mehr Blut?!

Malabimba (22:15 Uhr)
Italien 1979
Auf das Konto des italienischen Schmuddelkönigs Andrea Bianchi gehen namhafte Exploitation-Reißer wie DIE RACHE DES PATEN oder DIE RÜCKEHR DER ZOMBIES, doch der herrlich schmierige MALABIMBA - KOMM UND MACH'S MIT MIR ist der vermutlich außergewöhnichste Film seiner Karriere. Eine tickende Zeitbombe. Ein irrwitziges EXORZIST-Rip-Off, das sein Vorbild in Sachen Sex und Obszönitäten locker in den Schatten stellt und mit völlig unfassbaren Trash- und Sleaze-Szenen aufwartet. Die deutsche Fassung hat obendrein eine wunderbar ruppige Kanonensynchro zu bieten.
(Christian Keßler, Splatting Image)

Über dem Jenseits (00:15 Uhr)
Italien 1981, 87 Min., dF, 35mm, R.: Lucio Fulci, D.: Catriona MacColl, David Warbeck, Al Cliver
„Über dem Jenseits muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, wusste schon Reinhard Mey. Der italienische Ausnahmeregisseur Lucio Fulci nahm sich sämtliche Freiheiten für sein surreales Meisterwerk, für das wir euch zu einem der sieben Tore der Hölle entführen, das wir dank fleißiger Lektüre des Buches Eibon für dieses Wochenende nach Nürnberg verlagern konnten. Für viele der Höhepunkt des italienischen Splatterkinos.

Sonntag

FWU-Filmprogramm (13:45 Uhr)
Pädagogisch wertvolle Nachhilfe mit FWU-Lehrfilmen
FWU – bei diesen drei Buchstaben kommen vermutlich bei den Kindern der 80er Erinnerungen an die Schulzeit zurück. Wenn der Lehrer reinkam und sagte „Ihr zwei holt den Projektor“ war klar, dass es endlich mal wieder keinen normalen Unterricht, sondern einen kurzen aber „lehrreichen“ Film geben würde. Die FWU-Filme haben vermutlich bei Generationen von Lehrern und Schülern für eine kurzweilige Abwechslung im Unterrichtsalltag gesorgt. Dabei gab es nicht nur lahmes Bildungsfernsehen, sondern, wenn man Glück hatte, auch mal ein nettes Filmchen, das so gar nichts mit der Schule zu tun hatte. Dabei war es uns im Prinzip egal, um was für einen Film es sich handelte. Hauptsache, die Bilder bewegten sich.
Genauso halten wir es auf dem B-Film Basterds mit den FWU-Filmen auch. Keiner von uns weiß, was für Filme laufen werden. Wir wissen nur, dass wir nichts wissen. Wir hatten in den letzten Jahren alles Mögliche an Themen und Stilen. Wir hatten Abenteuer mit dem kleinen Maulwurf. Es gab seltsame englische Zeichentrickfilme. Außerdem erlebten wir noch einmal, wie sich die erste Liebe in der Pubertät anfühlt. Wir sahen Kindern zu, die Menschen beim Suizid beobachten und erlebten mit, wie die Space Invaders beinahe die Realität zerstörten.
Man sieht, die FWU-Filme bieten von allem etwas. Lassen wir uns überraschen, was in der „Wundertüte“ steckt. Lehnen wir uns zurück, erinnern uns an unsere Jugend (wenn wir die Erinnerungen nicht in unzähligen Kinoabenden mit viel Bier gelöscht haben) und genießen, was uns die FWU dieses Mal wieder alles zu bieten hat. Die Kurzfilme werden uns auf analogem Filmmaterial dargeboten – und es wird sicher für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Fist of Fear, Touch of Death (15:15 Uhr)
Hongkong/USA 1980
Als Bruce Lee 1973 völlig überraschend starb, überschwemmten zahllose Imitatoren den Markt, die Bruce Lee mehr oder weniger ähnlich sahen und die man nur mit viel Phantasie mit dem echten Bruce Lee verwechseln kann. Die zugehörigen Filme bildeten das Subgenre „Bruceploitation“. Es brachte auch Pseudo-Dokumententationen hervor, die dem Leben von Bruce Lee noch weitere Legenden hinzufügen wollten. „Fist of Fear Touch of Death“ verarbeitet die urbane Legende, Bruce Lee sei durch einen Todesschlag (so wie in Kill Bill Vol. 2) getötet worden. Damit in Zusammenhang soll in New York (!) ein Turnier stattfinden, in dem sein Nachfolger (in welcher Hinsicht auch immer) gefunden werden soll. Dazwischen tauchen „Interviews“ mit Bruce Lee auf, die einfach Szenen aus früheren Serienauftritten neu synchronisieren und eine „Bruce Lee Halftime Show“ (fast so gut wie die Super Bowl Halftime Show), in der ein 15-jähriger Bruce Lee (pre-fame) in einem Familiendrama gezeigt wird. Dazu gesellen sich Szenen aus „Der unbesiegbare Superchan“, in denen Bruce Lees Opa (!) vorkommen soll. Kurios ist auch der Auftritt von Fred Williamson, der als Running Gag permanent mit Harry Belafonte (!!) verwechselt wird. Noch nie wurde das Publikum für so blöd gehalten, noch nie wurde ein Film auf miesere Weise produziert, noch nie wurde mit den Fakten aus Bruce Lees Leben so falsch umgegangen (u.a. wird er durchgehend als Karate-Mann dargestellt und mit Yoga und Samurais in Verbindung gebracht). Durch seine konsequente Verachtung der chinesischen Kultur ist der Film kein Freudenbringer, aber so kurios, dass man ihn fast wieder gesehen haben muss. In einer gerechten Welt würde der echte Bruce Lee aus seinem Grab aufstehen und den Filmemachern, die sich den Film bis heute als lahmen Witz oder Parodie schönreden wollen, den Arsch verhauen. Um es noch absurder zu machen, wurde der Streifen von der Produktionsfirma vertrieben, die auch „Deep Throat“ unters Volk gebracht hat. Inzwischen liegt er auch in einer 40th Anniversary BluRay Edition vor. Bill würde sagen: „Kiddo, das ist kein Spiel.“
“ FIST OF FEAR, TOUCH OF DEATH ist ein wertloser Haufen filmischer Dreck und der mit weitem Abstand unangenehmste Bruceploiter, den ich bisher gesehen habe.”
Dominik Weiß, Badmovies.de

Hollywood Chainsaw Hookers (17:00 Uhr)
USA 1988
Los Angeles: Bei einem Verhör in einem ziemlich blutigen Mordfall setzt die Los Angeles Police auf die Zersetzungstaktik - die zu verhörende Prostituierte jedoch auf die Zersägungstaktik, denn ein mitgeführtes Sexspielzeug entpuppt sich als Kettensäge, die sofort zum Einsatz kommt!Ganz andere Sorgen hat zeitgleich Privatdetektiv Jack Chandler. Leicht heruntergekommen, dem Alkohol zugeneigt, aber immer cool, darf er sich darüber freuen den selben Nachnamen wie Schriftsteller Raymond Chandler zu besitzen, dem literarischen Erfinders des Detektivtypus, der leicht heruntergekommen, dem Alkohol recht zu geneigt, aber immer cool ist. Darüber hinaus hat er endlich mal wieder einen richtigen Auftrag, er soll nämlich die junge Blondine Samantha aufspüren, die von zuhause abgehauen ist. Leider hat er immer noch keine Spur! Aber hat sie vielleicht was mit den Motorsägen-Morden zu tun? Schließlich sieht sie ja ziemlich sägsie aus...Zur selben Zeit findet die attraktive Mercedes einen neuen Kunden in einer schmierigen Bar, dem tatsächlich nichts seltsam vorkommt, obwohl sie ein Foto von Lady Di und Prince Charles als Dekoration in ihrer Bude hat. Eine Unachtsamkeit, die ziemlich schnell ziemlich tödlich für ihn endet.Bald darauf macht auch Jack Chandler Bekanntschaft mit Mercedes und ahnt noch nicht, dass er ihr möglicherweise ins offene Messer bzw. in die kreischende Motorsäge läuft...Beim heiligen Hilti! Regisseur Fred Olen Ray ist seit eh und je ein Fachmann für Low-Budget-Filme ohne störendem Niveau und mit unter Textilallergie leidenden Darstellerinnen, aber "Hollywood Chainsaw Hookers" gilt (zurecht!) als sein Meisterwerk. Flott inszeniert (75 Minuten... nimm das, "Terrifier 2") bietet der Streifen zwei großartig overactende Hauptdarstellerinnnen mit besonderen Qualitäten (der Tanz mit Motorsägen gehört da nicht unbedingt zu) und mit Gunnar Hansen ("Texas Chainsaw Massacre") sogar ein echter Motorsägen-Experte in einer Nebenrolle. Hinzu kommt, dass nicht nur der deutsche Verleihtitel "Mit Motorsägen spaßt man nicht" Wahres spricht, sondern die deutsche Synchro durch einige echte Klopper den ganzen Film noch zusätzlich veredelt. Für Ray'sche Verhältnisse gibt es sogar vernünftige Kulissen (die prompt aus anderen Filmen stammten) und John Henry Richardson macht sich in seiner Rolle als Jack Chandler ebenfalls nicht schlecht.Bei so vielen Highlights war "Hollywood Chainsaw Hookers" natürlich der ideale Startfilm für die äußerst langlebige "Trash Collection" des Labels CMV.Zeit, dass er endlich auch bei den B-Film Basterds läuft!

00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter (21:15 Uhr)
Deutschland 1994
Dada-Helge und Aktionskünstler-Schlingensief inszenieren ein drehbucharmes Krimi-Kaleidoskop rund um den Kommisar 00 Schneider und dem dämonischen Nihil Baxter. Laut Credits hat ein Brötchen diesen Film geschrieben und schnell muss man sich davon verabschieden, irgendwo mit der Handlung oder den Motiven hinzuwollen. Vielmehr bleibt man lange – sehr lange – auf einer Stelle stehen und man lernt sich mit den Momenten zu begnügen, die einem geschenkt werden. Das Rückwärtssingen der Bedienungsanleitung eines Tonbandgerätes im Opernstil oder das ewige Befassen mit einer Skulpur im Wohnzimmer sind entweder Qual oder hohe Kunst – das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Mit einer Dekonstruktion des Krimimotivs und dem Verweigern oder Fallenlassen vom klassischen Filmhandwerk spielt hier Helge Schneider in vier Rollen einen Balanceakt zwischen authentischen Dilettantismus und künstlerischem Mut zur Sinnfreiheit.

Gewalt rast durch die Stadt (23:30 Uhr)
Italien 1975, 35mm
Ein weiterer Vertreter der Basterds in diesem Jahr heißt „Gewalt rast durch die Stadt“ (Originaltitel: "Roma violenta“). Und seien wir mal ehrlich: „Gewaltlosigkeit schleicht durchs Kuhdorf“ wäre ja auch gähnend langweilig…
Insofern freuen wir uns über diesen dem in den 70er-Jahren in Italien in voller Blüte stehenden Poliziottesco-Genre zugehörigen Reißer, in dem ein suspendierter Kommissar wegen seiner brutalen Methoden sich einer Bürgermiliz anschließt, um auf diesem Wege die pösen Verprecher in Rom weiter verdreschen zu können. Dass das nicht auf Dauer gut gehen kann, ist ja wohl klar…
In der Hauptrolle overactet der gerade in dieser Art von Filmen etablierte Maurizio Merli derart um sein Leben, dass es nicht verwundert, dass er aufgrund eines Herzanfalls die 50 Lebensjahre nicht erreichen sollte. Auch Regisseur Marino Girolami ist kein Unbekannter: Er brachte die deutsche Bundesprüfstelle später noch mit seinem Matschkäse „Zombies unter Kannibalen“ gegen sich auf.

 
 

Alle Daten

  • Von Mittwoch, 29. Mai 2024 21:00 bis Montag, 3. Juni 2024 01:00